Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 98)
- Language
- German
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91 beschirme. Denn diese tragen keine Schuld an der Tödtung des Stifters der christlichen Religion. Ein Gleichniß hiefür stellt sich in jenem Könige dar, der seinen Garten der Obhut eines seiner besten Freunde überließ, mit dem Befehle, daß er Niemanden in den Garten einlasse. Jeder, der es versuchen sollte, in den Garten zu dringen, der sollte des Todes sein. Eines Tages wollte der König den Freund Prüfen; er verstellte sich daher, zog andere Kleider an und trat an den Eingang des Gartens, um in denselben einzudringen, indem er vorgab, er sei der König. Da antwortete der Wächter: Du darfst nicht eintreten, denn der König hat es verboten, du aber bist nicht der König. Als nun der König seine Stärke zeigen wollte, da stand der wachthabende Freund auf und erschlug ihn. — So auch in dem vorliegenden Falle; Gott hat seinem Volke Israel die Lehre gegeben und darin geboten: Ich bin der Ewige Dein Gott; Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Ihr sollt euch wohl in Acht nehmen, denn ihr habt keine Gestalt gesehen am Tage, da der Ewige zu euch auf Choreb geredet hat, (5. Buch Moses, Kap. 5 V. 15). Ferner: Mich sieht kein Mensch und lebt. Als nun der Stifter unserer Religion auftrat, kam er in Menschengestalt, machte sich selbst zum Gotte, so daß sie ihn nach gesetzlicher Vorschrift tödteten. Hätten sie es gewußt, daß es Gott selbst sei, sie würden ihn keinesweges umgebracht haben. Auch bei der Verantwortung im künftigen Leben werden sie sich damit vollständig rechtfertigen können. — Wir haben hier nicht nöthig, auf die falsche historische Grundlage näher einzugehen, die auf der Annahme beruht, daß die Kreuzigung des Stifters der christlichen Religion von den Juden ausgegangen sei. Immerhin aber zeugt das Schreiben für die humane Gesinnung, welche ein Pabst des Mittelalters gegen die Juden hegte. Sie treffen wir kaum, wenn wir nunmehr nach Deutschland uns wenden. Da möchten wir mit dem Propheten ausrufen: Ich blickte zum Himmel hinauf — und siehe, kein Licht war da! Man hört hin und wieder von vereinzelten Aeußerungen der Toleranz gegen Juden — aber bei welchen Gelegenheiten? Ein hochgestellter Christ, der sterbenskrank lag, schickte zu einem Rabbiner hin, er möchte ihm von seinem Weine senden; er wisse genau, wenn er diesen Wein nicht zum Trinken erhalte, müsse er sterben. Ein Ritter schickt hin und bittet um eine Mesusa (Pfosten-Inschrift nach der Vor-