Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 88)
- Language
- German
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— 81 in dem Rabb. Benedeito Levy zu Ferrara hinweg, dessen hinterlassene Schriften ein tief religiöses Gefühl und eine ausgebreitete Kenntniß auf den verschiedensten Gebieten unserer Literatur bekunden. Noch waren die Thränen nicht getrocknet, welche den Heimgang dieses bedeutenden Mannes hervorgerufen, als die Judenheit Italiens von einem neuen Verluste betroffen wurde durch den Tod des Rabbiners Giuseppe Lattes am 20. April, hervorragend durch Klarheit des Denkens und durch ausgebreitete Kenntniß der Quellen. Man wird der Veröffentlichung der hinterlassenen Schriften über Theologie, seiner Gutachten und seiner hebräischen Poesien mit Spannung entgegen sehen dürfen. Die letzten Tage des Juli brachten über die Gemeinde Halberstadt tiefes, schweres Leid durch das Hinscheiden zweier Männer: des Rabbinatsassessors Jsac Lange und seines Schülers Aron I. Hirsch. Von bedeutendsten Lehrern gebildet entwickelte Rab. Lange eine große Lehr- und Erziehungsthäti'gkeit, durch die er die Begeisterung für die öehre des Judenthums, wie sie in ihm selbst lebendig war, auch auf seine Schüler zu übertragen wußte. Aron I. Hirsch, wenn auch kein Gelehrter von Fach und Beruf, hatte sich trotz seiuer ausgedehnten Geschäftsthätigkeit mit solchem Eifer und solcher Begeisterung den höchsten Gütern des Judenthums gewidmet, daß er bereits zu 35 Jahren ein Leben abschloß, wie es wenige selbst im höchsten Alter zum Abschluß zu bringen begnadet sind. Die Kunst verlor am 29. September durch den Tod des Bauraths Edwin Oppler einen hervorragenden Vertreter, der sich durch seinen feinen Sinn für Formschönheit und malerische Effecte einen würdigen Platz in der Reihe seiner Berufsgenossen erworben hatte. Die Medizin hat den Verlust eines Biedermannes, den Tod des vr. med. Moses Beiser, Ehrenbürgers der Stadt Lemberg, zu beklagen; die Theilnahme der 30 000 Menschen ohne Unterschied der Confession und der Nationalität, die seinem Zuge folgten, sagt wohl deutlicher als jeder Nekrolog, was der M ann der Mensch heit gewesen. Ein herber Verlust traf das Judenthum im Dezember durch den Hintritt des Rabbiners Dr. Jacob Holländer צ״צ, nacheinander Stifsgelehrter in Hannover, Rabb. in Wreschen und Trier. Einen unersetzlichen Verlust erlitt die jüdische Wissenschaft durch den Hintritt des Geistesheroen Rabbi Nathan Wolf Lebern״) zu Preßburg, der einer der bedeutendsten Talmudkenner durck sein reiches Wissen und seine ausgedehnte Gelehrsamkeit einen Weltruf erlangte und dem aus den entferntesten Ländern begeisterte Schüler zuströmten. Sein Leben war aus dem Dienste des Judenthums und der Verbreitung seiner Quellen geweiht, und wie bedeutungsvoll seine Wirksamkeit war, beweist der Schmerzensruf, der bei der Nachricht feines Todes aus allen Ländern und Gegenden der Welt wiederhallte. — Bei allem Schmerz aber, der uns bei dem Verluste so vieler bedeutender und großer Männer ergreifen muß, mögen wir angesichts der Aufgaben, die unserer harren, den Muth nicht sinken lassen, sondern uns stärkend an dem Beispiel so erhabener Vorbilder, wollen wir es bethätigen, daß ,->זכר -7׳ die Erinnerung an die großen Todten unseres Volkes uns zu neuer, thatkräftiger Arbeit begeistert. — Meyer, Jllustrirter Jüdischer.Familien-Kalender für 5642.