Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 87)
- Language
- German
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80 drei Messerstiche beigebracht und ihm das Blut entzogen hatten, damit dies den Juden zur Last gelegt werden könne. Im Allgemeinen bedürfen die Juden im Orient noch kräftiger Unterstützung ihrer Glaubensgenossen, wenn ihre Lage sich zu einer befriedig enden gestalten soll. Nur durch eine größere Verbreitung des Handwerks kann dieselbe dauernd und durchgreifend gebessert werden. — Ein erfreulicher Zug geht durch das innere Leben der Juden in Amerika. Der Abgeordnete Samuel Braunhart in Sakramento hat eine Bill eingebracht, wonach die jüdischen Arbeiter nicht gezwungen werden dürfen bei ihren christlichen Arbeitsgebern am Sabbath zu arbeiten, sondern anstatt dessen den Sonntag zu benutzen. Die amerikanischen Juden beginnen allmählig auch die Kenntnis; des positiven Judenthums unter sich zu verbreiten und zu fördern. Die Gründung von Vereinen zum Zwecke der Sabbathheiligung macht recht erfreuliche Fortschritte. Der Rath der Union der vereinigten amerikanischen Gemeinden hatte im vergangenen Jahre seinen Mitgliedern empfohlen die alliance israelite durch Geldsammlungen zu unterstützen; diese Maßregel wurde in der ausgiebigsten und generösesten Weise ausgeführt und ergab' glänzende ^iefultate. Ein schöner Beweis von der Opferwilligkeit der amerikanischen Gemeinden. — Von den australischen Juden haben wir nichts hervorragendes zu vermerken. Es bleibt uns nur noch die traurige Pflicht der Verluste zu gedenken, welche der Tod vieler hervorragender und verdienstvoller Männer unserm Volke verursacht hat. Am 21. Januar entschlief der Chacham Baschi von Jerusalem; ein großer Talmudist und ein Freund des Friedens war er es vorzüglich, dessen Bemühungen das friedliche Zusammenwohnen der verschiedenen Gemeinden zuzuschreiben ist. Am 4. Februar erfolgte der Tod des Oberkantors A. I. Lichtenstein zu Berlin; das nach Tausenden zählende Leichengefolge zeugte von der Liebe und Achtung, in der der Verstorbene bei der ganzen Gemeinde gestanden. Mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele erfaßte er seinen Beruf; sein Andenken wird für alle Zeiten ein gesegnetes sein. Schon wenige Tage später am 10. Februar wurden wir von einer neuen Trauerbotschaft überrascht, die-weit über die Grenzen Europas hinaus schmerzlichen Wiederhall fand. Jsaac Adolph Crömieux. Präsident der allianee israelite war nicht inehr. Das Leben und Wirken dieses großen Juristen und Staatsmannes ist unfern Lesern bereits durch die genaue Biographie des vorjährigen Kalenders bekannt geworden. Den Juden zu Damascus, Marocco. Rumänien und Serbien wird der Name Cremieux stets unvergeßlich bleiben und in der Geschichte der alliance israelite wird sein Name unsterblich fortleben. — Der 23. Februar rief ein reiches Geistesleben aus der Mitte der Lebenden. Der Tod des Rabbiners A. Adler ז״צ ru Aschaffenburg, eines Mannes von ausgezeichneten Geistes-, Herzens- und Charaktereigenschaften, traf die gesetzestreuen Juden Bayerns mit schwerem Schlage. Am 15 März starb zu Buttenwiesen Rabbiner Sänger Ln, dessen wahre Friedensliebe und große Bescheidenheit verbunden mit großem und reichern Wissen ihn zu einem der edelsten Menschen stempelte. Ein junges, vielversprechendes Leben raffte der Tod am 5. April