Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 86)
- Language
- German
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79 noch an der einheitlichen Organisation, zu der das Ministerium Natozzr den ersten Anstoß gegeben hat. — Von den Juden Griechenlands ist in diesem Jahre nichts Wichtiges zu melden. In Bulgarien scheint die Lage unserer Glaubensgenossen, mit jedem Tage gesicherter zn werden; gleich den andersgläubigen Mitbürgern genießen sie daselbst alle Freiheiten und haben schon zu wiederholten Malen ihr Wahlrecht ausgeübt. Als bei der Rückkehr des Fürsten Alexander aus St. Petersburg die' jüdische Bevölkerung ihn beglückwünschte, daß er dem Attentat im Winterpalais glücklich entgangen sei, versicherte der Fürst den Großrabbiner von Bulgarien seiner Unterstützung für das Gedeihen der Schulen und für das Wohl der Israeliten. Die eifrigen Bemühungen der nllianee i8rn61it6 zur Hebung der Schulen in Bulgarien stndet bei der Regierung freundliches Entgegenkommen und Unterstützung.— Rumäniens Unabhängigkeit hat noch nicht vermocht es von den eingewurzelten Vorurtheilen zu befreien; wiewohl Tausende von Juden die Naturalisation nachgesucht haben, so ist die Zahl der gewährten Naturalisationspatente doch so verschwindend klein, daß dies ganze Zugeftändniß an die Juden sehr problematisch erscheinen muß. Trotz der gemachten Schwierigkeilen machen die Juden immer mehr Gebrauch von dem Rechte der Er- Werbung von Grundstücken; mit der Zeit werden sie durch ihre Anstrengungen die öffentliche Meinung in Rumänien überzeugen und von ihren Mitbürgern die Sympathie erlangen, deren sie für ihr patriotisches Verhalten würdig sind. — Wie in Rumänien so geht auch in Rußland die vollständige Gleichberechtigung der Juden etwas langsam von statten. Neuerdings׳ wurden jüdische Kaufleute (Ausländer) aus Petersburg ausgewiesen, eine Maßregel, die die Intervention der betheiligten Mächte herbeiführte. Der Aufenthalt der Juden im Lande der Donischen Truppen ist durch lästige Bedingungen beschrankt worden. Wir hoffen und wünschen, daß die Stimme der einfachen Gerechtigkeit auch dort nicht lange mehr ungehört ver- Hallen werde. — In den mohamedanischen Ländern nehmen die Schulen durch die fortgesetzten Bemühungen der Alliance einen ungestörten Aufschwung. In Marocco waren die Juden bedauernswerther Exzessen seitens fanatischer Mohamedaner ausgesetzt; unter solchen Umständen, wo selbst der gute Wille des Kaisers und der Behörden nichts vermögen gegen den Fanatismus der Muselmänner mußte die Absicht der Großmächte ihre Protection den Einwohnern von Marocco zu entziehen doppelt bedenklich erscheinen. Eine in Madrid zusammengetretene Eonferenz der Schutzmächte billigte zuletzt die Denkschrift des. österreichischen Botschafters, welche dieser zu Gunsten der Gewissensfreiheit und der bürgerlichen Gleichheit der Juden und Christen unterbreitet hatte. — Auch in Süd-Arabien hatten unsere Glaubensgenoffen sehr viel zu leiden von herben Verfolgungen, doch hat der neue General-Gouverneur ihnen kräftigen Schutz angedeihen lassen. Durch den mittelalterlichen Wahn, daß Juden Ehristenblut auf Peßach gebrauchten, entstand in Alexandrien ein mehrstündiges Gemetzel zwischen Juden und Christen. Die Untersuchung ergab, daß drei Griechen einem Knaben.