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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 78

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 78 (sequence 85)
Language
German
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78 schreiten der Behörden. Wie wenig sich die maßgebenden Kreise um die Wühlereien einzelner Agitatoren kümmern bewies am besten die 70. Geburtstagsfeier von L. Ä. Frankl (3. Febr.), an welchem dem greisen Dichter und Menschenfreund von allen Seiten großartige Beweise der Hochachtung gezollt wurden. Begünstigt von einer freundlich gesinnten Regierung entwickeln die jüdischen Schulen in Ungarn immer mehr ihre segensreiche Thätigkeit und das Schulwesen ist in den meisten ungarischen Gemeinden im steteil Aufschwung begriffen. Besonders Erfreuliches ist von unfern Brüdern in Frankreich zu berichten. Für Förderung des Studiums der jüdischen Geschichte, Literatur und Wissenschaft bildet sich in Paris ein Verein unter den Namen: Gesellschaft für jüdisches Studium; die hervorragendsten Finanzmänner und Vertreter der jüdischen Wissenschaft haben dieselbe in's Leben gerufen. Auch in diesem Jahre hat die alliance israelite Gelegenheit genommen thätig einzugreifen, wo es galt jüdische Interessen zu pflegen und zu fördern. So hat sie namentlich für die Verbesserung der Schulen in Bulgarien bedeutende Opfer gebracht. — Daß wir von England, was die äußere Lage der Juden betrifft, nur Günstiges berichten können, versteht sich bei der bedingungslosen Gleichstellung der englischen Juden mit den übrigen Staatsbürgern eigentlich von selbst. Die Rücksicht, die man dort unfern Glaubensgenossen zollt, geht so weit, daß man die auf den 2. April (7.Peßachfeiertag) anberaumte Abstimmung für die Wahlen auf den 1. April verlegte, um die Juden nicht in ihrem Wahlrechte zu beschränken. — In den Niederlanden ist die Loyalität der Regierung gegen die Juden nach wie vor vorhanden. Nur mußten die Juden Belgiens schmerzlich berührt werden von einer Verfügung des Ministeriums, nach der keinerlei Scheidung oder Trennung auf dem Todesacker nach Confesstonen zulässig sei, daß also auf den Friedhöfen dieselbe Reihenfolge beobachtet werden solle, wie in den Geburts- und Todeöregistern des Civilamtes. In Holland ist ein erfreulicher Eifer für Begründung neuer Schulen bemerkbar. — Spanien zog im verflossenen Jahre eine Zeit lang die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, als in seiner Hauptstadt die Vertreter der Großmächte zusammengetreten waren, um bei Anlaß der Judenverfolgung in Marocco über das Maß der Sicherheit zu berathen, welche man den in Marocco weilenden Nichtmuhamedanern zukommen lassen solle. Das klägliche Resultat der Conferenz ist nicht dazu angethan, die Juden Maroccos von der Besorgniß zu befreien, daß auch ferner Mord und Brand straflos gegen sie verübt werden könne. Spanien selbst ist noch heute so intolerant, daß kein öffentlicher jüdischer Gottesdienst geduldet wird und daher in Privathäusern abgehalten werden muß. Die von der spanischen Regierung versprochene religiöse Duldsamkeit läßt demnach recht viel zu wünschen übrig und der Entwurf zu einem Strafgesetzbuch, der den Kammern vorgelegt wurde, scheint von demselben Geiste und derselben Gesinnung diktirt zu sein wie die berüchtigten Strafgesetze von 1848.—Die Juden Italiens nahmen hervorragenden Antheil an den Politischen und socialen Aufgaben des Landes und stellen zur Kunst und Wissenschaft bedeutende Vertreter. Leider fehlt es den italienischen Juden

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