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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 77

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 77 (sequence 84)
Language
German
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77 Rückblick auf das Jahr 188V. Die Hoffnung, die wir im Eingang des Rückblicks über das Jahr 1879׳ ausgesprochen haben, daß die judenfeindliche Bewegung in Deutschland für immer beseitigt sein werde, hat bas Jahr 1880 leider nicht verwirklicht. Dieselbe erfaßt vielmehr immer weitere Kreise und nahm bald das öffentliche Interesse vollständig in Anspruch. Die bekannte Petition veranlaßte eine Interpellation im Abgeordnetenhause, die mit der Versicherung der Staatsregierung beantwortet wurde, daß man nicht daran denke, die durch die Verfassung gewährleisteten Rechte der Juden zu schmälern. Selten ist ein Gegenstand so wie dieser in öffentlichen Versammlungen, Broschüren rc. fa oft besprochen worden, und zur Ehre unserer Mitbürger können wir es sagen, wie viel Lärm und wüstes Geschrei von den Führern, die von der Bewegung ihre Existenz fristen, erhoben worden ist. Der besonnenere Theil ließ sich nicht nur nicht mit in den Strudel fortreißen, sondern hielt es auch für seine Pflicht in Versammlungen und schriftlichen Kundgebungen sein entschiedenes Mißfallen an der Bewegung an den Tag zn legen. In Süddeutschland ist der Bewegung von vornherein durch Negierungsmaßregeln ein kräftiger Damm gesetzt worden, Nicht nur im Anslande fand die Agitation die schärfste Verurtheilung, sondern auch in Deutschland selbst treten für die Juden energische Vertheidiger auf. Nicht zum Geringsten trugen die Friedensworte unseres hochherzigen Kronprinzen bei Gelegenheit eines SynagogenconzerteS dazu bei viele von dem unedlen Treiben zurückzuhalten. Wenn trotz der steten Aufregung nach außen die hochherzige Gesinnung der Juden sich nicht verleugnete und sich in großartigen Stiftungen und segensreichen Einrichtungen Locumentirte, so zeugt das von der Tiefe und Innigkeit, mit der die Tugend der Wohlthätigkeir Ln unserem Volke wurzelt. Bei Gelegenheit der 150. Geburtstagsfeier Moses Mendelssohns, dem wir in unserm Kalender ein Denkmal gesetzt, ward in Dessau ein Heimathshaus für jüdische Männer vorgerückten Alters unter den Namen Moses Mendelssohn-Stiftung gegründet. Reiche Geschenke wurden von der jFrau Mathilde von Rothschild dem israelitischen Waisenhause in Frankfurt a. M. zugewendet, so daß dieses seine segeus- Teiche Wirksamkeit bedeutend zu erweitern im Stande war. Daß trotz ber Anfeindungen von außen die Juden sich in ihrem edlen Streben nicht beirren lassen, beweißt die großartige Stiftung des Herrn Isidor Kraft in Berlin von 500 000 JL von deren Zinsen arme Näherinnen die das 36. Jahr überschritten haben, ohne Unterschied der Confession unterstützt werden sollen. In der Zeit der Verfolgung überbieten sich unsere Glaubensbrüder in Werken der Liebe und Wohlthätigkeit, ein Streben, das nicht verfehlen wird endlich die Achtung und Anerkennung der jüdischen Tugenden auch in nichtjüdische Kreise zu tragen. — Ein Versuch unserer Gegner die judenfeindliche Agitation auch nach. Oesterreich-Ungarn zu verpflanzen scheiterte an dem energischen Ein»

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