Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 80)
- Language
- German
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73 träumen, Gott hatte mir in seiner Allhuld ein wahres Wunden׳ erwiesen; — wie ich später inne wurde, hatte der Feldwebel, — Gott segne ihn tausendfach dafür! — Ihren Chower für einen. Passe-par-tout, das Siegel des Rabbinats für das Regimentssiegel, die Unterschriften der drei Prager Oberjuristen für jene des Regiments-,. Bataillons- und Kompagniekommandanten angesehen!" Robitz' Antlitz wurde Plötzlich von einer brennenden Röthe überflammt — in dem Momente erinnerte er sich einer Begebenheit von untergeordnetster Bedeutung, die vor mehr als zehn Jahren stattgefunden, und an welche er damals schon in dem darauffolgenden Momente für immer total vergessen hatte — jetzt wurde es ihm klar, daß er Wohl seinen Chower aus dem Grunde niemals findenkonnte, weil er ihn, als er ihn aus der Hand des Rabbinatsdieuers empfing, in die Tasche einer russischen Uniform gesteckt hatte! Vor Ueberraschung stieß er zuerst nur ein langgedehntes ״Ah!" hervor, dann sprach er: ״Das ist eine wunderbare Fügung Gottes — ich hätte nie gedacht — daß meine Zerstreutheit das Leben eines mir völlig Unbekannten, — Ihr Leben retten würde!" ״Alles andere," fuhr der Pastor nach kurzer Pause fort, ״verlief ohne weitere Schwierigkeiten .... ich gelangte in vier Tagen nach meiner Heimath; dort erfuhr ich zu meiner größten Freude, daß auch Wilhelmine Harder glücklich und wohlbehalten nach Berlin zu ihrer Mutter gekommen. Sie hatte gleich nach ihrer Ankunft meine Eltern brieflich über mein Schicksal angefragt und war, als meine Eltern ihre Anfrage nicht zu beantworten vermocht, von Unruhe getrieben persönlich bei ihnen erschienen ...... Nun zeigte ich ihr selbst an, daß und in welch' glücklicher Weise ich gerettet wurde, und das herrliche Mädchen scheute in Begleitung ihrer Mutter die Reise von Berlin nach meinem Geburtsorte nicht — um mir persönlich nochmals ihren wärmsten innigsten Dank auszusprechen. In überströmendem Gefühle edler Dankbarkeit frug mich Wilhelmiue, womit sie mir je den endlos großen Dienst, den ich ihr erwiesen, vergelten könne; ich erwiederte ihr: am besten dadurch, daß sie — sobald ich eine Stelle gefunden — mein treues herziges Weib würde! — Und erröthend gestand sie mir offen, daß sie es als die schönste und höchste Aufgabe ihres Lebens betrachten würde, mein eigenes zu beglücken und zu verschönen, so weit sie es mit ihrer schwachen Kraft vermöchte!"