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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 74

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 74 (sequence 81)
Language
German
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74 Ä ״Das war ein wunderbar schöner Abschluß dieses intereressanten Lebensabschnittes," schaltete Nobitz überrascht ein. ״In meinem Vaterlande hatte ich keine Veranlassung, aus meinen Merkwürdigen Erlebnissen und davon, daß ich mich dem russischen Heeresdienste, zu dem ich in allerniederträchtigster Weise gepreßt worden war, durch die Flucht entzogen, ein Geheimniß zu machen; diese Angelegenheit erregte allgemeines Aussehen und gelangte sogar zu den Ohren des Kurfürsten. Ich wurde nach Dresden zur Audienz besohlen, und zwischen dem kurfürstlichen Staatsminister und der russischen Gesandtschaft wurden einige scharfe Noten gewechselt, die aber den europäischen Frieden nicht alterirt hatten. Für mich hatte die Audienz die gute Folge, daß mir das gerade erledigte Pastorat zu Schönlinde verliehen wurde, ich meine Verlobte heirathen, meine Eltern und meine Schwiegermutter zu mir nehmen konnte. — Ich bin jetzt ein glücklicher Gatte und Familienvater, und das — danke ich nur Ihrem Chower, hätte ich diesen nicht zur rechten Zeit in der Brufttasche meines Uniformrockes gefunden — ich wäre am nächsten Tage — ein zu Tode geknuteter Mensch gewesen!" Es war eine Pause eingetreten; Nobitz war ein frommer Jude, rin gläubiger Mensch, er bewunderte Gottes unergründliche Allweisheit und die Allmacht, die durch scheinbar Unbedeutendes so Großes vollfübrte. ״Wie so erkannten sie den Inhalt des Schriftstückes?" frug Nobitz endlich. ״Sie können sich denken, daß ich dieses Blatt," der Pastor deutete aus den am Tische liegenden Chower, hoch in Ehren hielt und, sobald ich eine Stunde Ruhe und Muße fand, begierig die Lektüre desselben versuchte. Ich bin Theologe, ich habe in Leipzig hebräisch studiert; aber trotzdem konnte ich nur zwei Stellen lesen und zwar jene, die mit hebräischer Quadratschrift geschrieben: das Siegel des Prager Rabbinats und Ihren und Ihres Vaters Namen; die Kurrentschrist aber blieb mir ein Buch mit sieben Siegeln. — Ich hatte sofort nach meiner Ankunft in der Heimath meinen beiden Rettern und Wohlthätern Gottlieb Spannagel und Johannes Falk schriftlich herzlich gedankt und ihnen, sobald mir das möglich wurde, die für mich aufgewendeten Geldsummen ratenweise zugesendet; aber es war mein sehnlichster Wunsch, ihnen meine Erkenntlichkeit nochmals

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