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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 67

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 67 (sequence 74)
Language
German
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IRI
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in den Hof und sah den Vorbereitungen zu dem Empfange und der Bewirthung der Gäste zu. Ich befand mich gerade dort, als Fürst Lamalow mit dem Grafen Dunakow, dieser von seinem Regimente gefolgt, ankam. Es erschien jenem auffallend, seine Töchter ohne deren Erzieherin am Hose zu sehen, und er frug, wo diese wäre. Die Mädchen, ohne etwas Arges zu ahnen, erzählten klagend, ich Hütte vor einigen Tagen Mademoiselle mit einem Wagen jenseits des Sees erwartet, sie wäre fortgefahren ohne wiederzukehren. Lamalow gerieth in die entsetzlichste Wuth; mit dem Rufe ״Verfluchter deutscher Hund!" wollte er auf mich losstürzen, aber Graf Dunakow, der wohl das ihm zu Ehren gegebene Fest nicht durch einen öffentlichen Skandal gestört, in Gegenwart seiner Offiziere eine häßliche Scene vermieden sehen wollte, hielt ihn gewaltsam zurück und flüsterte ihm etwas ins Ohr, das ihn sehr zu befriedigen schien, denn er rief jetzt mit einem teuflischen Lächeln: ״Deutscher Schulmeister! Du sollst Dein Lebelang an mich denken!" Ich erkannte jetzt, daß ich, ohne die größte Gefahr für mich, nicht länger auf Lamalows Schloß weilen durfte, des Fürsten brutale Behandlung enthob mich der Verpflichtung ihm zu kündigen; ich ging auf mein Zimmer, schloß die Thür desselben, steckte den kleinen Rest meines Geldes, meine Reisedokumente und Zeugnisse zu mir, und wollte nur den Anbruch der Dunkelheit erwarten, um unbemerkt aus dem Schlosse zu entkommen. Etwa eine Stunde später wurde heftig an meine Thür geklopft; als ich diese öffnete, stand ein starkes Piket Soldaten vor derselben, und der dasselbe kommandirende Unteroffizier forderte mich auf, ihm zu folgen. Ich sah, daß jeder Widerstand vergeblich wäre! — Ich wurde in eine Art fliegender Regimentskanzlei geführt, dort erklärte mir ein Kapitain, daß ich — wie er sagte, nach den Mittheilungen seines Chefs — als Freiwilliger in dessen Regimente eingetreten, und seiner Kompagnie zugetheilt wäre. Ich versuchte es Protest zu erheben, der Offizier wandte mir achselzuckend den Rücken; wollte ich mich nicht den entehrendsten Miß- Handlungen aussetzen, mußte ich mich fügen. ״Da ist ja entsetzlich;" unterbrach ihn Nobitz unwillkürlich. ״Freilich war es entsetzlich, und Sie können sich meine verzweiflungsvolle Lage vorstellen! Geld und Papiere waren mir abge-

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