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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 56

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 56 (sequence 63)
Language
German
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56 trat; ihre Untergebenen aber behandelten sie — weit sinnloser — weit ärger als die grausamsten Plantagenbesitzer ihre schwarzen Sklaven; — entsetzliche Mißhandlungen gemeiner Soldaten, die diese wegen der geringfügigsten Ursache auf offener Straße von ihren Vorgesetzten erfuhren, kamen alltäglich vor. Es war bekannt, daß Gerechtigkeit und Billigkeit den russischen Offizieren vollkommen fremde Begriffe waren, daß die corrumpirten russischen Militärbeamten bis zur Unglaublichkeit bestechlich waren und an den Lieferanten die abscheulichsten Erpressungen verübten. Es waren daher schon mehrere Wochen seit der Ausschreibung des russischen Feldmarschalls verflossen, ohne daß sich ein Neflectant bei diesem gemeldet hatte. Endlich entschloß sich der unternehmende Nobitz, in Gemeinschaft mit einem reichen christlichen Tuchhündler und einem Schneider, Monturen für das russische Hilfskorps zu liefern. Nobitz war ein außerordentlich kluger Mann, er ließ nach seiner Angabe von einem tüchtigen Advokaten einen Kontrakt entwerfen, in welchem sich der Feldmarschall Graf Suwarow verpflichtete, sich in strittigen Fällen der Competenz der österreichischen Gerichte zu unterwerfen. Er bedang sich hohe Preise; aber er zahlte auch große Summen an die übernehmenden russischen Offiziere und Kommissäre, nicht als Bestechung dafür, daß sie geringeres oder weniger Material übernehmen sollten; sondern nur dafür, daß sie ihn nicht chikanirten, nnd so wurde es ihm, zum großen Erstaunen aller jener, die sich für dieses Geschäft interessirten, möglich mit den Russen ein gutes Geschäft zu machen. Es war ein Freitag Vormittag — genau acht Tage, nachdem der Nabbi Michael Bacharach, Nobitz' Geschenk zurückgewiesen — als dieser in seinem Magazine, das er in dem sogenannten Syxtischen Hause am Ring inne hatte, an einen russischen Obristen und dessen Untergebenen Uniformen ablieferte. Nobitz, der trefflich böhmisch sprach, hatte sich mit Leichtigkeit etwas russisch angeeignet, der Obrist radebrechte etwas deutsch, in extremen Fällen verständigten sich beide in französischer Sprache, welche Nobitz nicht nur theoretisch, sondern auch durch den geschäftlichen Verkehr mit einem Uhrmacher aus der französischen Schweiz praktisch erlernt hatte. Nobitz hatte dreierlei Unisormröcke zu liefern: kleine, mittlere und große. Die beiden ersten Sorten waren schon vom Obristen übernommen worden, und dieser hatte beim besten Willen keinen Anstand zu erheben vermocht; jetzt kamen die großen an die Reihe.

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