Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 62)
- Language
- German
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55 Nobitz von derselben wisse, gab er sich endlich zufrieden, und der Rest des Freitag Abends wurde von den guten, wackern Menschen in bester Stimmung verbracht. IV. Wir haben es schon gesagt: Nobitz war stets ein unternehmender Geschäftsmann gewesen und wagte sich an Speculationen, die er als vernünftige erkannte, auch wenn sie Anderen vollkommen unausführbar erschienen. Eben jetzt hatte er ein Geschäft entrirt, an das sich in Oesterreich bisher Niemand, am allerwenigsten aber ein Jude gewagt hatte. Die Eroberungssucht des französischen Directoriums, das Rom Zu einer Republik gemacht und die Schweiz unterjocht hatte, vereinigte Oesterreich, Rußland, England und die Pforte zu der sögenannten zweiten Coalition, und der Krieg begann von Neuem. Ein russisches Korps unter dem Oberbefehle des kaiserlich russischen Feldmarschalls Grafen Suwarow war in Böhmen angelangt und hatte hier Winterquartiere genommen. Die Verpflegung wurde ihm vertragsmäßig aus den kaiserlich österreichischen Magazinen geliefert; aber die Herren Kosaken, Baschkiren, Kalmücken und die russischen Soldaten überhaupt schienen ihre Monturen und ihr Schuhwerk auf dem weiten Marsche nicht sonderlich geschont zu haben, ein großer Theil der Armee kam hier in zerfetzter Kleidung an, und schon ver Eintritt der strengen Jahreszeit machte es nothwendig neue Kleidung anzuschassen. Da man dieselbe nicht aus Rußland nachschicken mochte, so wollte der Feldmarschall dieselbe durch Lieferanten in Böhmen anschassen, aber es fand sich zuerst Niemand, der Lust hatte, mit den Herren Russen ein Geschäft zu machen. Wer die gegenwärtigen .Zustände Rußlands aus eigener Anschauung, aus guten glaubwürdigen Mittheilungen oder Werken kennt, wird sich, wenn er mit einer lebendigen Phantasie begabt ist, vielleicht annähernd einen Begriff von jenen machen, die vor nahezu einem Jahrhunderte dort herrschten. Die Russen benahmen sich in Prag in einer Art, die das höchste Aufsehen erregte, als das Allerfremdartigste erschien. Die Offiziere, den Feldmarschall Grafen Suwarow nicht ausgenommen, betranken sich an Branntwein und brutalisirten, auch wenn sie nicht betrunken waren, Jedermann, der mit ihnen in Berührung