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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 54

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 54 (sequence 61)
Language
German
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54 und von Judith anfgefordert sich deutlicher auszusprechen, gab Vetter Nachmn folgende von Judith mit großer Aufmerksamkeit angehörte Auseinandersetzung zum Besten. ״Ich muß Euchs grad sagen, es is mir ganz recht, daß so Red' auf Red' kommt, und ich eine Sach' Vorbringen kann, die mich schon lange verdrießt!" Der Vetter machte eine längere Pause; dann brach er endlich los: ״Grad zu sagen, mich verdrießts," wandte er sich nun an Robitz, ,,daß Ihr noch keinen Chower habt; — Ihr verdient ihn doch gewiß; Euer Schwärs olow hascholom^), der e bist eitel war, hätts auch gern gesehen, wenn Ihr den Chower hättet; noch drei Tage vor seinem Tode hat er mit mir davon gesprochen. Ihr wißt doch, in Prag bekommt keiner den Chower, wenn man nicht entweder selbst um denselben anhält, oder dies ein Anderer thut, Euer Schwär hat mich deshalb zum Nebbe Reb Michoel hinaufschicken wollen; — aber kurz darauf is er lachai ad gegangen!" ״Ja der Vetter muß beim Nebbe um den Chower für Dich anhalten," rief Judith, ״das Paßt ja ganz Prächtig; — wenn Dir der Nebbe den Chower schickt, kann er ja dann Dein Geschenk nicht zurückweisen!" Wir können es dem geschätzten Leser mit anerkennenswerther Offenheit gestehen, daß Judith, welcher von ihrem Vater etwas Eitelkeit angeerbt war, nicht nur den zu erreichenden Zweck, sondern auch das Mittel liebte. Sie hatte schon seit langer Zeit in ihrem Herzen, still verschwiegen, die Chowerlosigkeit ihres Gatten bedauert, wenn sie von der Frauensynagoge aus mit ansehen mußte, wie Männer, die den Chower besaßen, aber ihrem Gatten gewiß in allen Be- Ziehungen nachstanden, vor ihm zur Thora aufgerufen wurden, oder er ihnen bei feierlichen Umzügen den Vortritt ließ; und sie hatte schon das Bes-Din der Parteilichkeit angeklagt, allein nun erfuhr sie, daß man um diese Auszeichnung anhalten mußte, und das mochte ihr bescheidener und doch selbstbewußter Mann verschmäht haben. Robitz wollte anfänglich dem Plane seiner Frau nicht beistimmen, es erschien ihm sonderbar, daß man sich um eine Auszeichnung bewerben soll; allein da der Vetter versicherte, die Sache in einer Weise vorzubringen, daß der Rabbi gar nicht ahnen könne, daß ג) Schwiegervater. 2) ״Friede mit ihm!" wird von Verstorbenen gesagt.

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