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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 52

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 52 (sequence 59)
Language
German
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52 war ein Mann mit einer Scharte^) beim Nebbe; wie er weggeht, sagt mir der Schames, ich soll in die Schiurstube^) gehen, — da sitzt der Nebbe, ausgesehen hat er wie ein Maloch elokim^). ״Boruch habo!^)" sagt er, und ״Setzt Euch!" — ״Wenns der Nebbe befiehlt, muß ich mich doch setzen!" Aber wie ich so da sitz' und nit weiß, wie ich das Ding beim rechten Zipfel anfassen soll und verlegen die zehn Dukaten, die ich ihm zum Präsent machen will, aus der Westentasch' hervorzieh und vor mir hinleg, fragt er mich: ״Wie heißt Ihr, und womit kann ich Euch dienen?" — Und wie ich sag: ״Nebbe ich heiße Iizchak Nobitz!" wird der Nebbe, der immer ein betamtes^), lächelndes Ponim^) macht, ganz ernst, daß ich fast erschrocken bin, was mir sonst nicht zu geschehen Pflegt; aber ich nehm' mich doch zusammen und stottere: ״Nebbe, ich komme mich tausendmal zu bedanken, daß Neb Eljokim Bondys Kinder mir oder eigentlich meiner Frau die sechshuudertdreißig Gulden bezahlt haben, die er meinem Schwiegervater schuldig war, und ich bitt' den Nebbe vieltausendmal, das" — dabei schieb ich die zehn Dukaten von mir weg zu ihm hin — ״von mir aunehmen zu wollen." ״Ihr müßt meschuge sein," sagt darauf Nebbe; aber er lacht dabei so zuckerig und sieht mich dabei mit seinen großen blauen Augen so betamt an, daß mir das Herz im Leibe gelacht hat. ״Bei mir bedaukt Ihr Euch, daß Euch die Brüder Bondy Geld, was Euch kommt, gezahlt haben? Was soll das vorstellen? ״Nun ja," sag' ich darauf, aber ich habe die Augen Niederschlagen müssen; ״aber der Nebbe hats ja mit großer Mühe aus Neb Eljokims Bücher heraussinden müssen, daß uns das Geld kommt!" — Und wieder Hab' ich ihm die Dukaten e bisl näher gerückt! ״So?" sagt der Nebbe, und es scheint mir, er is schon e bisl broges^) geworden, ״also weil ich gesagt Hab, die Leut sollen Euch zahlen, was Euch kömmt, thut Ihr Euch bei mir bedanken? — Eschwer^) wollt Ihr mir auch da die Dukaten schenken? — Nit schlecht; was denkt Ihr denn vom Prager Rosch Bes-Din? Soll er eschwer den Leuten sagen: Seid's TaschkaschenO), zahlt nit, was Ihr den Leuten schuldig seid!?" x) Frage in religiösen Angelegenheiten. 2) Stube, in welcher die Vorträge für die Talmudjünger abgehalten wurden. s) Engel Gottes. 4) Gesegnet, der da kommt. * 5) Liebenswürdiges, anmuthiges. 6 7) Gesicht. 7) Erzürnt, böse. 8) Vielleicht. 9) Schelme,' «Spitzbuben, jüdisch-böhmisch.

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