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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 51

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 51 (sequence 58)
Language
German
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51 1*־; i- Nobitz war ein riesengroßer, noch jetzt ungewöhnlich schöner Mann, dessen ausdrucksvolle Züge die Energie, die er im Leben oft so kraftvoll bethätigte, zum vollsten Ausdrucke brachten. Er legte die Oberkleider ab, und seine Frau brachte ihm einen bequemen Hausrock und sein Hauskäppchen. Nach der schönen patriarchalischen Sitte jener Zeit segnete er zuerst die Kinder, die sich nun alle um ihn drängten, dann machte er Kidusch*) und über zwei große Barches^) Mozo^), nachher setzte die Köchin die dampfenden Schüsseln auf den Tisch, die Frau goß jedem — dem armen alten Vetter zuerst — Suppe auf den Teller, und alle griffen wacker zu. Der Mittagstisch am Freitag wurde zu jener Zeit, wo Alles auf religiöser Basis ruhte, mit souverainer Verachtung behandelt. Fleisch war strenge ausgeschlossen, man sollte einer religiösen Bestimmung zu Folge sich eben am Abend mit Lust und Appetit zum Sabbathtische setzen. Dieser Umstand mochte es wohl verschuldet haben, daß sich bei der Suppe, wo alle eifrig aßen, kein lebhaftes Gespräch entwickelte; — auch bei den Fischen, die dann aufgetragen wurden, herrschte Schweigsamkeit, um so mehr, als die Mutter den Kindern verboten, jetzt zu sprechen, damit sie keine Gräten verschluckten, und die Erwachsenen billig mit gutem Beispiele vorangehen mußten; und erst als die dick, mit Zucker bestreute Torte aufgetragen, zerschnitten und herumgereicht worden war, begann die Hausfrau, sich an ihren Gatten wendend: ״Richtig .... Du bist heute ja gar nicht Mittag nach Hause gekommen, weil der Erew Schabbos^) so kurz ist und Du im Geschäft viel zu thun hattest — wie is es Dir beim Rebbe Neb Michoel Bacharach ergangen? Du hast Dich ja heute bei ihm bedanken wollen für das viele Geld, das er uns eingebracht hat." Ein verdrießlicher Zug überflog Nobitz' ausdrucksvolles Gesicht. ״Nichts gerichtet Hab ich bei dem herrlichen Menschen!" erwiederte er, die Gabel niederlegend und sich zu einer längern Erzählung rüstend. ״Heute Vormittag, wie ich geglaubt habe, eine halbe Stunde vom Geschäfte abkommen zu können, bin ich zum Rebbe Neb Michoel gegangen; erst Hab ich kurze Zeit im Vorzimmer warten müssen, es Eine Benediktion, die über einen Becher Wein gesprochen wird. Geflochtene Weizenbrode. 3) Den betreffenden Segensspruch. 4) Nüsttag des Sabbaths, Freitag. 4*

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