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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 50

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 50 (sequence 57)
Language
German
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IRI
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50 61 als er von den Bondy'schen Erben noch eine ausstehende Schuld bezahlt erhielt, auf welche, wie ihm Reb Lippmann Teweles erzählte, jene nicht gekommen wären, wenn sie nicht durch den würdigen Rabbi Michael Bacharach auf diese aufmerksam, und er ihnen die Bezahlung derselben zur Pflicht gemacht hätte. HI. Freitag Abend sah es in Jfak Nobitz'' Wohnung gar stattlich und feierlich aus. Das ziemlich große Speisegemach war sowohl von einer mehrarmigen Oellampe, die in der Mitte des Zimmers niederhing, als auch von sechs Wachskerzen, die in silbernen Leuchtern auf dem Tische standen,, hell erleuchtet. Dem großen Ofen entströmte eine behagliche Wärme» Der Tisch war mit einem schneeweißen Linnen bedeckt, unter dem noch eine rothseidene Decke hervorlugte. Judith Nobitz, eine schöne, stattliche Frau von etwa zwei und dreißig Jahren, saß sabbathlich gekleidet am Tische, und das geschlossene Gebetbuch vor ihr bewies, daß sie schon ihre Abendandacht beendet hatte. Das jüngste Kind, ein dreijähriger Knabe, saß auf ihrem Schooße und bestürmte die Mutter heftig mit der Frage, warum der Vater heut so lang in Schul bleibe, die Versicherung anfügend, er werde, ״wenn er nur ein bisl größer sein werde, auch mit dem Taten in Schul gehen"; und auch ein etwas größeres, etwa elfjähriges Mädchen lief ungeduldig von Zeit zu Zeit zum Fenster, um zu sehen, ob der Vater, der Vetter (Reb Nachum war seit Großbergers Ableben zu dessen Schwiegersohn gezogen) und ihre Brüder schon heimkehrten. Endlich langten die so sehnlich Erwarteten an. Der Hausherr ließ dem alten Vetter, einem armen, aber im Talmud wohlbewanderten Manne, trotz dessen Sträubens den Vortritt, dann kam er mit drei prächtigen Jungen, die gleich auf die Mutter zueilten, ihr die Hand küßten ihrer Schwester verschiedene sie interessirende Dinge zu erzählen wußten, und auch einige Fragen des jüngsten Knaben, der im Hause als besonders klug bewundert und als Nesthöckchen von Jedermann verhätschelt wurde, zu beantworten hatten.

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