Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 52)
- Language
- German
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47 großer Ueberraschung entgegnete jener, daß er und Judith überein gekommen seien, vorläufig nicht einen Kreuzer von ihm anzunehmen, und daß er mit seinen wenigen ersparten Gulden ein Geschäft eröffnen werde. Nobitz hatte seine Vorsätze mit der strengsten Consequenz durchgeführt. Er begann mit seinen geringen Mitteln ein Geschäft, aber er benützte hierbei auch in mäßiger Weise den Credit, der dem jungen, verständigen Geschäftsmanne und einzigen Schwiegersöhne des wohlhabenden und soliden Simon Großberger allseitig angeboten wurde. Er war ein sehr begabter Mensch und ein sehr tüchtiger Kaufmann; er beschränkte sich in seinem Geschäfte nicht — wie dies damals in Prag allgemein üblich war — auf eine bestimmte Waarengattung, sondern kaufte die verschiedensten Handelsartikel, wenn sie nur billig waren, und vernünftige Voraussetzungen erwarten ließen, daß deren Preise in die Höhe gehen würden. Wo seine Mittel nicht ausreichten, suchte er sich einen Socius, einen Kapitalisten, der den zu einer Spekulation nöthigen Fond hergab, während er als Gegenwerth seine Geschäftskenntniß und Mühewaltung einsetzte. Er erzielte so günstige Erfolge, daß ihm sein Schwiegervater zuerst mehrmals Kapitalien in beliebiger Höhe zu seinem Geschäftsbetriebe anbot und endlich, da er — Großberger nämlich — bei seinem zunehmenden Wohlstände und Alter gern die Belästigung, welche die Führung eines Geschäftes mit stch brachte, von sich abgewälzt hätte, ihn geradezu bat, sein Geschäft zu übernehmen, weil er selbst sich schon zur Ruhe setzen und sich ausschließlich den Aemtern und Ehrenstellen' zu denen ihn das Vertrauen seiner Glaubensgenossen berufen, widmen wollte; allein Nobitz erklärte, er habe sich fest vorgenommen, von seinem Schwiegervater kein Geld anzunehmen und eben so wenig sein Geschäft zu übernehmen. Wie zu jener Zeit alle Zöglinge des Prager Armenkinderlehr- Hauses, hatte auch Nobitz sich in der Jugend die Grundelemente deß jüdisch-religiösen Wissens angeeignet; er kannte den Pentateuch fast ganz auswendig und hatte auch einzelne Abschnitte der Mischna, ja sogar einzelne Talmudstücke gelernt; allein als er zwei, drei Jahre nach seiner Verheiratung zu etwas Vermögen gelangt und nicht mehr von Nahrungssorgen gequält war, erkannte der kluge Mann, das sein jüdisches Wissen zu einer Zeit, wo fast nur dieses im Kreise