Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 51)
- Language
- German
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46 erhalten werde, und Nobitz nicht, wie er wahrscheinlich hoffe, sein Compagnon werden, sondern sein Haus verlassen müsse. Nobitz erklärte nun in einer solchen Weise, daß selbst Großberger frappirt wurde, er liebe seine schöne wohlerzogene Tochter und würde sich glücklich schätzen, sie zur Gattin zu erhalten, auch wenn sie nicht die Tochter des reichen und, wie er schwerbetonend hervorhob, vornehmen Reb Schimon Großberger wäre, er fühle es allerdings, daß seine Bewerbung ein kühnes Wagniß sei, und selbst seine größte Liebe zu Judith hätte es nicht vermocht, seine Scheu, ihre Hand zu fordern, zu besiegen, allein da er auch von ihrer Gegenliebe überzeugt sei, und nicht nur sein eigenes sondern auch Judiths Lebensglück auf dem Spiele stehe, gebe es keine irdische Macht, die ihn davon abhalten könnte eine Verbindung anzustreben, die ihn und Judith beglücken würde. Er fordere gar keine Mitgift, er sei entschlossen, gleich nach der Hochzeit aus dem Hause seines Schwiegervaters zu gehen, seinen eigenen Herd zu gründen, sich ein kleines Geschäft zu errichten; er habe, fuhr er fort, in dem Hause seines würdigen Wohlthäters und Lehrherrn so viel vom Geschäftswesen erlernt, daß er hoffe, mit Gottes Hilfe sich und seine Familie zu ernähren. Er bot Großberger Tkias-Kaff) an, daß er nie Geld von ihm verlangen wolle, sich nicht in sein Geschäft drängen, sich nie um dieses kümmern werde, — wenn er ihm nur die Hand seiner Tochter gewähre, so sei dies der reichste Schatz, den er sich nur wünschen könne! Diese conciliante, in einer Richtung demüthige, andererseits aber doch selbstbewußte, reich mit glücklichen, schmeichelhaften Andeutungen für den zukünftigen Schwiegervater gespickte Rede machte zu seiner eigenen Ueberraschung einen tiefen Eindruck auf Großberger; er zog gelindere Saiten auf; und als der Hochzeitstag herannahte, sagte er feinem zukünftigen Schwiegersöhne mit schwer unterdrückter Rührung offen, daß seine Drohungen nicht ernst gewesen, daß er sein Kind nicht ohne Mitgift verheiraten und es auch gar nicht aus dem Hause geben wolle, ja daß er bereit sei, seinen Schwiegersohn als öffentlichen Gesellschafter in fein Handluugsgeschäft aufzunehmen; aber Nobitz war ein charaktervoller, consequenter Mann, und zu Großbergers J) Handschlag.