Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 50)
- Language
- German
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45 mit finsterer Miene und düsterem Schweigen schloß, dann erhob er seine Stimme und gab eine wohldurchdachte Rede zum Besten, die sich aber nichts desto weniger bei seiner kleinen Zuhörerschaft keines mm!iiüH Beifalls erfreute. Großberger nannte Nobitz einen undankbaren Menschen und ging in seinem blinden Eifer so weit, sich zu der lächerlichen Behauptung zu versteigen, der zwölfjährige Knabe, der aus dem Beshamidrasch kam und kein Plätzchen hatte, sein armes Haupt niederzulegen, hätte schon damals die dunkelschwarze Absicht gehabt, sich in sein Haus einzuschleichen, um ihm das Herz seines Kindes — Judith war damals sechs Jahre alt — zu stehlen; mit einem raschen Sprunge zur Gegenwart übergehend behauptete er, in Nobitz pechschwarzem Herzen wie in einem offenen Buche zu lesen und darin mit Lapidarschrift zu sehen, daß er für Judith gar keine Liebe empfinde und nur auf ihre Mitgift spekulire — eine Behauptung, die bei den Liebenden, welche die Sache besser verstanden, nur ein schwer zu unterdrückendes Lächeln hervorrief — daß er aber wenigstens die hochfrevelhafte Absicht Nobitz in machtvollster Weife vereiteln werde, daß seine Tochter nämlich — vorausgesetzt, daß sie noch immer daraus beharre, mit offenen Augen in den sinstersten Abgrund zu rennen, oder, aus dem metaphorischen ins rein Deutsche übertragen, Nobitz' Gattin zu werden — nicht einen Kreuzer Mitgift