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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 44

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 44 (sequence 49)
Language
German
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44 ferner, daß sie sich auf Seite ihrer Tochter stelle, "daß sie als Mutter ein Recht habe darein zu sprechen, wenn es sich um das Glück und die Zukunft ihres einzigen Kindes handle, daß ihr der vermögenslose, aber brave Buchhalter tausendmal lieber sei als der unbetamte^) Sohn eines reichen Mannes, der sich und Weib und Kind nicht zu ernähren wisse. Judith, die im Nebenzimmer hochklopfenden Herzens das lebhafte Gespräch zwischen ihren Eltern angehört hatte, trat, als auch der Mutter der Athem auszugehen drohte, rechtzeitig ins Zimmer und versicherte mit vor Thränen erstickter Stimme, daß ihre Liebe zu Nobitz so stark und mächtig sei, daß sie die Riesenkluft zwischen Schammessohn und Mewurortochter (beziehungsweise Stadtgabbes Enkel und Noschhakohols Urenkel) vollkommen auszufüllen im Stande seü Großbergers Drohung, seiner Tochter den Hals umzudrehen war keine aufrichtig gemeinte gewesen, er liebte das Kind weit mehr als sich selbst — und sie weinen sehen, das vermochte er nun gar nicht! — Er fühlte sich dem combinirten Angriffe seiner Frau und Tochter nicht gewachsen, und zog es daher vor, sich vorläufig jeder weitern Erörterung dadurch zu entziehen, daß er einen sprachlosen Zorn simulirte und unter dem Schutze desselben einen höchstgelungeneu Rückzug, zu Minche^) in Schul antrat. Großberger war, wie wir schon erwähnt haben ein gütevoller, Zärtlicher Vater, aber auch ein stolzer und wie wir noch hinzufügen wollen, sehr eigensinniger Mann; er fühlte es, es würde ihm ganz unmöglich werden den Wünschen seiner Frau und Tochter direkten Widerstand zu leisten, er entschloß sich daher als Diplomat aufzutreten, und hoffte Nobitz von seiner Idee sein Schwiegersohn zu werden in kluger Weise gründlich zu kuriren, er ersann nämlich folgenden höchst sinnreichen Plan, den er auch sofort am Ausgange des Sabbaths auszuführen versuchte. Gleich nach dem Hawdala^) rief er seine Frau, Tochter und den Hauptverbrecher Robitz in das letzte Zimmer, dessen Thüre er ף unliebenswürdig, abgeschmackte. 2) Nachmittagsgebet. s) Segenssprnche die am Sabbathausgange über Wein, eine geflochtene Wachskerze und Gewürzen gesprochen werden.

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