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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 43

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 43 (sequence 48)
Language
German
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— 43 im Kopfe habe; — seine Tochter, die er sonst mit vergötternder Vaterliebe anbetete, nannte er ״einen großen Boheme^)", ״ein widerspenstiges Kind", das man — er ließ diese wichtige Frage noch halb nnentschieden — entweder im Keller, da wo er am finstersten, tiefsten und feuchtesten — oder im Gänsestalle bei Wasser und Brod so lange einsperren sollte, bis sie ihren ״Schigan^)" verloren; und um auch den Haupturheber dieser Familienfriedensstörung, Robitz bei dieser reichen Vertheilung von Ehrentiteln und erbaulichen Wünschen wie billig nicht leer ausgehen zu lassen, bezeichnete er ihn als einen ״ganz miserablen Chozow-ff", dann resumirte er, — alles in einem Athemzuge — daß es ihm nicht einmal in dem miserabelsten seiner Träume einfalle, seine Tochter einem solchen Nichtshaber und Sohne eines Hutputzers und Schammes einer kleiner winzigen Synagoge der Mischke-Taußig-Schul als Gattin zu geben, daß Zwischen ihm —- Schimon Großberger, dessen Vater Stadtgabbe^), dessen Großvater sogar Roschhakolb), und der selbst Mewuror^) einer großen Schulz mit der gegründeten Aussicht auf demnächstige Vorrückung zum Schulgabbe^) sei — und dem Schamessohne eine Kluft läge, gegen welche selbst der Ocean nur ein reines Kinderspiel wäre und sprach zum Schluffe noch als effektvolles Finale die wohlwollende Absicht aus, Robitz mit dem Stocke aus dem Hause zu jagen, seiner ungerathenen Tochter aber — hierin den hartherzigen Iephta an Naturgrausamkeit noch weit überflügelnd — den Hals umzudrchen. Großöergers Frau hielt den Nedesturm ihres Gatten wacker wie ein Infanterieguarro den Angriff einer wildheranjagenden Reiterkolonne aus, und als er — nicht aus Mangel an Stoff, nur aus Mangel an Athem — einen Moment innehalten mußte, bewies Frau Groß- Lerger, daß auch ihre Zunge eine höchst anerkennenswerthe Fertigkeit besitze, und erklärte ihrem Gatten daß nicht sie eine ״Plauscherin"; sondern er selbst der größte ״Plauscher" sei, den es je auf der Welt gegeben, daß wenn einer von ihnen beiden an ״Mochmaugel" litte, gewiß nicht sie es wäre, und derartige Artigkeiten mehr; sie erklärte Dummkopf. 2) Wahnsinn. 3) Kecker Mensch, Unverschämter. 4) So wurde in Prag der Spitalvorsteher, der gleichzeitig auch Chef des Wohlthätigkeits-Departements war, einer der höchsten Gemeindedignitäre, bezeichnet. 5) Gemeindevorsteher. 6) Beisitzer. י) Synagoge. s) Synagogen- Verwalter, Vorsteher.

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