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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 42

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 42 (sequence 47)
Language
German
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42 — Menschen auf Erden habe; und als ihm dabei ob seiner völligen Hilflosigkeit und Verlassenheit die Thränen in die Augen traten, nnd diese die schönsten Worte, die er noch im Vorrath hatte, erstickten, legten Großberger's gutherzige Frau und dessen sechsjähriges Töchterchen Judith, denen der schöne Knabe gefiel, ein Fürwort für ihn ein, und so, halb von seinem gutem Herzen, halb von Weib und Kind gedrängt, entschloß sich Großberger den kleinen Nobitz als Lehrling aufzunehmen. Großberger war ein stolzer Mensch, und sein Hochmuth schwächte die Regungen seines guten Herzens ab. Er mußte sichs selbst gestehen, daß sich Nobitz, der sich im Lause der Zeiten zu einem stattlichen Burschen entwickelte, recht nützlich zu machen wußte und ein pflichteifriger Handlungsdiener war; — aber er liebte es, seine Untergebenen in respektvoller Entfernung zu halten, und selbst, als Nobitz seine natürlichen Anlagen mit Fleiß und Eifer ausbildete, ja machdem dieser seine geringen Ersparnisse dazu benützt hatte, deutsch lesen und schreiben, Buchhaltung, ja sogar französisch zu lernen und ihm nun die Bücher und die Correspondenz führte, wollte der wohlhabende, aus seine Herkunft und Stellung in der Gemeinde stolze Mann jede vertrauliche Annäherung seines Hausgenossen vermieden wissen. Allein zu seinem großen Schrecken sollte er plötzlich erfahren, daß seine einzige, mittlerweile zur lieblichen Jungfrau herangereifte Tochter Judith ganz anderer Anschauung war; denn eines Samstags Nachmittag theilte ihm seine Frau nach einer etwas längeren Vorrede die feststehende Thatsache mit, daß Nobitz und Judith einander liebten, daß Judith ihrer Mutter die Gegenseitigkeit ihrer Neigung gestanden, die Versicherung anfügend, daß sie mit keinem anderen Manne auf der ganzen Gotteswelt als mit Nobitz glücklich werden könne, der ihrer Ansicht nach, der liebenswürdigste beste Mensch war, .der je von der schönen goldenen Sonne beleuchtet wurde. Im ersten Augenblicke war Großberger von der Plötzlichkeit 'dieser Mittheilung bis zur vollen Verstummung überrascht, im zweiten brach seine Empörung über diese ״meschugene^) Zumuthung, wie er sie bezeichnete, in einem breiten Scheltestrom aus, in reizender Ab- Wechslung nannte der sonst wohlerzogene Ehemann seine Frau ״eine alte Gans", ״eine Plauscherin?)", die nit für einen Wiener^) Moch4) Wahnsinnige, verrückte. ף Plaudertasche. 3) Pfennig. 4) Gehirn.

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