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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 41

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 41 (sequence 46)
Language
German
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41 erworben. Er war sehr armer Leute Kind und schon in seinem zartesten Alter verwaist. Der kluge, schon frühzeitig geistig entwickelte Knabe wurde in das von dem berühmten, großen Gemeindewohlthäter Mordechar Meisel gestiftete Armenkinder-Lehrhaus gegeben. Als er das zwölfte Jahr erreicht hatte, fand die Gemeinde, daß sie für den Knaben genug gethan hatte, und daß er nun schon auf eigenen Füßen stehen, entweder ein Handwerk erlernen, oder als Lehrling in irgend ein Geschäft eintreten müsse. Bezüglich des Handwerks gab es keine große Auswahl. In Prag bestanden blos vier jüdische Zünfte r Fleischer, Goldschmiede, Schneider und Schuster; hier waren alle Lehrlingsplätze überreich besetzt, und der Versuch eines Iudenknaben bei einem christlichen Meister in die Lehre zu kommen, wäre genan so ausgenommen und von demselben Erfolge begleitet gewesen, als wenn ein Tagelöhner den Kaiser von China auffordern würde, zu seinen Gunsten dem Throne zu entsagen. Robitz mußte daher in einem Geschäfte Unterkunft suchen. Der zwölfjährige Knabe war von ungewöhnlicher Klugheit, Schönheit und Anmuth, und während seine aus dem Armenkinderlehrhause austretenden Mitschüler nur ber Händlern der niedrigsten Kategorie, bei Trödlern, Stiefelhändlern u. dgl. eintraten, war es ihm gelungen in einem anständigen Geschäfts- Hause, bei dem wohlhabenden Neb Schimon Großberger, der einen ausgcbreiteten Handel mit Pelz- und Kürschnerwaaren betrieb, aufgenommen zu werden, und auch dies dankte er nur seiner Klugheit.. Er kam eines Sonntagnachmittages, wo Großberger sein Geschäft׳ geschlossen hatte, in dessen Wohnung und trug ihm sein Anliegen^ in seinem Geschäftshause ausgenommen zu werden, vor. Großberger war einen Moment geneigt diese Bitte als eine allzukühne zurückzuweisen, aber der kleine Robitz berief sich auf einen Umstand, der im Laufe der Zeiten Großbergers Gedächtniß ganz entfallen war» nämlich, daß dieser ein ehemaliger Hausherr seines Vaters, und alK solcher auch sein Szandok^) gewesen und daß er sich nur aus bem: Grunde zu der kühnen Bitte veranlaßt sehe, weil er ganz verwaist׳ und verlassen auf der Welt sei; und außer seinem Szandok keinen *) Die Person, welche den Knaben bei seiner Aufnahme in den Bunkd Israels auf dem Lrcbooß hält, eine Funktion, welche der Vater des KindeSin der Regel dem Vornehmsten oder Liebsten seiner Bekannten überträgt-

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