Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 134)
- Language
- German
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117 Stiftungsfest und vertheilte an diesem Tage 700 Thaler an die Armen. — Der in Gothenburg verstorbene Delbanco vermachte letztwillig 20,000 Thaler für israelitische Jünglinge, welche sich einer wissenschaftlichen Laufbahn widmen wollten, und fügte seinem Testamente die Clausel hinzu, daß an dem Vermächtnisse auch Christen Antheil haben sollen, sobald die Juden in Schweden die vollständige Emancipation erlangt haben würden. — Die von der Regierung vorgeschlagene Ertheilung des ״activen Wahlrechts zum Reichstage" an die schwedischen Israeliten ward vom Priesterstände verworfen. Schweiz. Trotz aller gegnerischen Agitationen und Demonstrationen ward im ״großen Rath" von Aargau der Antrag auf bürgerliche Emancipation der Juden ohne Discussion angenommen. — Von 4 Schweizerkantonen (Basel, Graubündten, Zürich und Aargau) ist an den Bundesrath das Gesuch gerichtet worden, daß die Lage der Juden in der Schweiz verbessert würde. — Gegen den obenerwähnten, die Gleichstellung der Juden aussprechenden Beschluß des ״großen Raths" in Aargau traten die Ultramontanen des Kantons, Professor Schleuniger an der Spitze, mit ihren Protesten, Manifesten u.s. w. so energisch auf, daß sie bald über 6000 Unterschriften zusammen hatten zu einer Petition an die Bundesregierung, worin die Entlassung des ״großen Raths" gefordert wurde. Der Agitator Schleuniger ging in der von ihm redigirten ״Botschaft" so weit, die freche Behauptung auszusprechen, daß in dem täglichen Gebetbuche der Juden die Worte: ״Verflucht sei Jesus von Nazareth" sich befänden. Dr. Kayserling, Rabbiner von Oberendingen und Lengenau, trat gegen Prof. Schl, auf und erklärte ihn für einen ״infamen Verläumder", so lange die betreffende Stelle von ihm nicht nachgewiesen würde. Doch, was half's? Die Ultramontanen brachten es, im Verein mit der Reaction durch ihre unermüdlichen Agitationen doch dahin, daß der so entschieden liberale ״große Rath" zurücktreten mußte. Es ward zu einer Neuwahl geschritten, in dieser aber die ultramontane Partei völlig geschlagen. Die Liberalen erfochten einen glänzenden Sieg, indem fast überall die von ihnen aufgestellten Candidaten in den ״großen Rath" gewählt wurden. Kaum aber war Letzterer zusammengetreten, da begannen die Agitationen der Ultramontanen von Neuem, und Schleuniger ging so weit, in seinem Blatte die freche Drohung auszustoßen, wenn die ״Judeneinbürgerung" nicht unbedingt aufgegeben werden sollte, wiederum durch Unterschriftensammlung eine Abberufung des großen Raths" ins Werk zu setzen. Doch der ״große