Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 126)
- Language
- German
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109 und zu welchem auch der dasige Rabbiner als Vertreter der jüdischen Gemeinde eingeladen war, wurde seitens des Gastgebers ein Toast ״auf die Gleichheit der Rechte aller Confessionen und ׳das brüderliche Zusammenleben aller Nationalitäten Oesterreichs" ausgebracht. — Bon einem jüdischen Gelehrten in Wien wurde ein in aramäischer Sprache verfaßtes und daneben auch ins Deutsche übersetztes Gedicht ״Kissingen" der Kaiserin überreicht und von dieser in ihreBibliothek ausgenommen. — In Krakau ward Hr. I. Mises, ein Mann großer Beredtsamkeit, zum Prediger gewählt. — Im Judenquartier von Lemberg wurden durch den Einsturz einiger baufälliger Häuser mehrere Personen getödtet. Man schöpfte aus diesem Unglück (das zu Anfang des gegenwärtigen Jahres geschah) die Hoffnung auf die baldige Aufhebung des Ghetto, in welchem eine Bevölkerung von ca. 30,000 Seelen eingezwängt ist. — Bei einer israelitischen Wittwe B. in Verona erschien unter polizeilicher Assistenz ein Organ der katholischen Geistlichkeit mit der Aufforderung, Frau B. möchte ihren einzigen Sohn, einen Knaben von 6 Jahren, der katholischen Kirche ausliefern, da eine im Hause dienende christliche Magd vor Gericht erklärt hätte, das Kind vor vier Jahren in einer Kirche durch Besprengung mit Weihwasser getauft zu haben. Frau B. war indeß früher schon heimlich gewarnt worden und hatte ihr Kind rechtzeitig zu ihren im Auslande lebenden Anverwandten gebracht. — In mehreren jüdischen Gemeinden Ungarns wurden mittelst Statthaltereidecrets die dem öffentlichen und geordneten Unterrichtswesen so schädlichen Winkelschulen aufgehoben. — Da in der vorjährigen Reichsrathssitzung das Relig io ns edict nicht zur Berathung kam, vielmehr das C o n c o r d a t unangetastet stehen blieb, so blieben natürlich auch die Verhältnisse der österreichischen Juden ganz unverändert, d. h. in der Schwebe. Nichtsdestoweniger fuhr der Kaiser fort den Juden gegenüber die gewohnte Toleranz walten zu lassen und sie in vielfachen Acten zu bethätigen. — In Stuhl weißenbürg (Ungarn) constituirten sich zwei getrennte Gemeinden, eine orthodoxe und eine reformirte. Der ersteren schenkten die Gebrüder Schlesinger 6000 Gulden zum Bau einer Synagoge. — Durch Polizeiministerialverordnung vom 24. Jan. 1863 wurde ״für den ganzen Umfang des Reiches" die bis jetzt bestandene Beschränkung in Betreff ausländischer Gebet- und Religionsbücher für Juden aufgehoben. — Der Gemeinderath von Lemberg ließ sich von einer direct hierzu erwählten Commission ein Statut vorlegen, worin unter Andern folgende Punkte ausgenommen waren: a) daß ✓