Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 83)
- Language
- German
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Außerhalb der Stadt Ramsgate, die ungefähr von 25,000 Seelen, worunter sich etwa L 5 jüdische Familien befinden, bewohnt wird und 120 engl. Meilen von London entfernt liegt, sieht man einen alterthümlichen, prächtig gebauten Palast, umgeben von ausgedehnten Gärten, welche eine feste Mauer einschließt. Dieser einer Burg ähnliche Palast ׳ist das Wohnhaus des Herrn Montefiore. Nicht weit von diesem Palaste nach der Stadt zu liegt die prächtig gebaute Synagoge, sowie mehrere andere Gebäude, wie das Haus des Vorbeters, das des Schächters und eine Schule, in welcher 25 Knaben, meistens Kinder von Verwandten und Freunden des Herrn Montefiore, von gebildeten Lehrern in allen Wissenschaften unterrichtet und streng religiös erzogen wurden. Außer dem Vorbeter, bei welchem die Knaben in Pension waren und der den Unterricht im Hebräischen und Religion ertheilt, war damals auch ein Franzose jüdischen Glaubens angestellt, welcher außer dem Französischen jeden Morgen ebenfalls Hebräisch lehrte. Herr Moses Montefiore hatte die Synagoge sowie die übrigen Gebäude von seinem Gelde bauen lassen und bestritt die Erhaltung derselben und die Besoldung der dabei Angestellten. Auch gewährte er die Benutzung der Synagoge den jüdischen Bewohnern Ramsgate's unentgeldlich. In der Regel verweilt Herr Montefiore am Sonnabend und an Feiertagen in Ramsgate; die übrige Zeit ist er aus Reisen oder in seinem Palast in Park Lane in dem Westend genannten Stadttheile Londons. So oft er nach Ramsgate kam, sah man ihn mit seiner Gattin Morgens und Abends in der Synagoge andächtig beten, und sie verfehlte nie, ihren Gatten auch Sonnabends zu dem Minchagebet in die Synagoge zu begleiten. Der Gottesdienst wird nach portugiesischem Ritus abgehalten und ist an Sonnabenden und Feiertagen sehr feierlich. Herr Montefiore setzte sich während der Andacht selten nieder; beim Vorlesen der Thora war er selbst der Vorzeiger, und da selten ein לוי in der Synagoge war, so nahm er in der Regel selbst diese Stelle bei der Vorlesung ein. Nach Beendigung sämmtlichcr Gebete öffnete er die Lade, küßte die Thorah und verließ, das Gesicht nach der Lade gekehrt, die Synagoge. Am Ausgange erwartete ihn die ganze Versammlung und jeder reichte ihm die Hand mit dem üblichen .Gruße. Gewöhnlich fanden sich an Sonnabenden und Feiertagen eine Menge Fremde, thcils Verwandte, theils Freunde, sowie Hülfsbedürftige in Ramsgate ein, die ihn sämmtlich in seine Wohnung begleiten und an seiner Tafel theilnehmen mußten. Hatten sich wenig Gäste eingefunden, so mußte der Vorbeter mit seiner Frau Sonnabends zu Tisch kommen, gewöhnlich wurden auch 3 — 4