Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 64)
- Language
- German
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47 geschieden von ihrem Gatten, mit ihrem Entführer. Nun nimmt sich der Großinquisitor des neuen Paares an, der frühere jüdische Ehemann wird vor das Tribunal der Inquisition gefordert und verurtheilt, dem Entführer seiner Frau einen jährlichen Tribut von seinem Einkommen zu zahlen. Und durch welche Gründe wurde dieses originelle Erkenntniß motivirt? Die Ehebrecherin, Frau eines Christen, die sich zum Christenthum bekennt, muß dafür eine Entschädigung haben, weil sie mehrere Jahre lang die Gattin ihres frühern Glaubensgenossen gewesen ist. Wir wollen nicht erst den Kinderraub des Mortara hier erwähnen, da derselbe allbekannt ist, jedoch wollen wir eine kleine Notiz aus der Correspondenz eines Reisenden mittheilen, der neulich in Rom war und sich hat angelegen sein lassen, den geraubten Mortara, der jetzt im 11. Jahre steht und sich unter schwarzröckigen Männern befindet, aufzusuchen, und auch seinen Klosterherrn, unter dessen Aufsicht er steht, gesprochen hat, welcher ihm erzählte, daß der kleine Junge zweimal jährlich an seine jüdischen Eltern Briefe schreibe, worin er sie bittet, sich zu bekehren. Die Eltern antworten jedoch nicht darauf. Daß solche Briefe nach einem von den Priestern entworfenen Concepte abgeschrieben werden, ist nicht zu bezweifeln, und dies geschieht nur deshalb, um den unglücklichen Aeltern Kränkungen zu verursachen und ihren Schmerz immer wieder zu erneuern. Der Herausgeber. Wir schließen diese Skizze mit den Worten von F. Gregorovius (dessen, sowie der Herren Th. Mannheimer und E. Guggenheimer Nachrichten wir einigemal benutzt haben) über die Juden in Rom: Der Charakter dieser Stadt der Städte, wie er sich dem heutigen Beobachter darstellt, trägt das Gepräge der drei großen Kulturperioden des menschlichen Geschlechtes, des Iudenthums, des Antiken und des Christenthums. Man kann sie kaum mehr scheiden, so sehr sind sie in einander gewachsen. Von den Anschauungen des Alter-