Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 65)
- Language
- German
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48 thums der Griechen und der Römer nicht zu sprechen, so durchwandere man doch Rom und seine Herrlichkeiten: überall springt in die Augen Geist und Gestalt des Hebräerthums, selbst auf den Gipfeln der christlichen Kunst. Ist es die Skulptur, so ist es das Höchste, was christliches Genie nach dem Phidias in Marmor schuf: der Moses des Michel Angelo auf dem Grabmal des Papstes Julius II. Ist es die Malerei: Stanzen und Loggien des Rafael, die Kapelle des Sixtus und so Ungezähltes sind voll von Darstellungen des Testamentes der Juden. Ist es die Musik, was als Höchstes in der Charwoche gesungen wird, die Lamentationen und das Miserere, — es sind die Klagelieder des Jeremias und die Psalmen der Juden! Und von diesem Volke, welchem das Schicksal die Urkunden der Menschen anvertraute, lebt hier im Ghettowinkel — einer der ältesten und historisch merkwürdigsten Reste, an welchem die Geschichte ihre große tragische Ironie vollzogen hat, — und hält sich da, dem wilden Epheu gleich, angeklammert unter den Ruinen einer großen Vergangenheit, auf Trümmern römischer Kaisergeschichte, selbst ein lebendiges Denkmal des Alterthums und werth, daß sie eine aufmerksame Betrachtung auf sich ziehe!