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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 43

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 43 (sequence 60)
Language
German
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43 Hause zurück und weinte über seine Schmach, nahm die Klagelieder des Ieremia zur Hand, indessen draußen Freudengesänge erschallten, dachte daran, daß mit seiner Erniedrigung die Freuden derer beginnen, welche mit ihm dieselbe Stadt bewohnten; dachte wohl auch an eine schöne ferne Zeit der Erlösung, an einen Gottesboten, der ihn aus diesem Iammerthale in ein Land der Verheißung führen werde; dachte endlich seiner Väter, die an den Strömen Babels saßen und weinten, und seiner Brüder, die in weiter Ferne die Bibel censiren und die Messias-Idee mit dem Rothstifte wegstreichen! Und welche glückliche Veränderung war dieses, daß die Juden während des Karnevals zu Hause sitzen und trauern dursten! Wie ganz anders war es in dieser Beziehung in früheren Jahrhunderten! Es hatte sich für die karnevalischen Spiele der Römer auf der Piazza Navona, am Hügel Testaccio und auf dem Corso nach und nach die Sitte festgestellt, die Juden zur Volksbelustigung zu mißbrauchen. Ein Trupp ihrer Aeltesten, in Jacken und Wämser gekleidet, mußte der Cavalcade der Senatoren voranschreiten, wenn diese den Corsozug eröffnten, ja sie mußten sogar selbst zur Schau rennen. Das geschah zum erstemale, als der Venetianer Pietro Barbo als Paul II. die dreifache Krone trug. Noch heute ist es in vielen Städten Italiens Sitte, bei verschiedenen Volksfesten um die sogenannten Pallien zu rennen, d. h. um den Preis von Teppichen und Seidenstoffen, welche der Sieger erhält. Als Papst Paul II. dieses Fest gab, liefen an jedem der acht Karnevalstage um die Pallien Pferde, Esel, Büffel und Juden. Man gab den Juden reichlich zu essen, um ihnen das Laufen beschwerlicher, dem Volke aber ergötzlicher zu machen. Sie liefen vom Arco Domiziano bis zur Markuskirche am Ende des Corso, in voller Furie und unter dem Hetzgeschrei und dem Iubelgelächter der Zuschauer. Es betheiligten sich zwar auch Römer,

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