Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4085237-9640998--216-4085301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Bei gleicher Strafe war ihnen verboten, gewisse Stadttheile Roms zu betreten, und so wanderten sie durch die Straßen mit zagendem Schritte, gesenkten Blickes, stets in der Erwartung, Lästerungen, Hohn und Spott geduldig über sich zu nehmen. Vier Mal des Jahres mußten dreihundert Juden und fünfzig Jüdinnen einem christlichen Gottesdienste in der Kirche St. Angelo Peschieria beiwohnen, und die Predigt eines Geistlichen mit anhören, in der derselbe Worte sprach, wie man sich wohl denken kann. Am Charsamstage jeden Jahres mußte eine gleiche Anzahl der Taufe eines Juden beiwohnen, die in der Taufkapelle des St. Johann vom Lateran stattfand. Das geschieht heute noch; dieses Schauspiel muß um jeden Preis vollzogen werden, selbst wenn im Falle, daß ein bekehrter -Täufling mangeln sollte, ein Jude oder Türke von auswärts geholt werden müßte. Von Jahr zu Jahr mußten sie vor den päpstlichen Behörden, vor einer Ungeheuern Menschenmenge auf dem Kapitol, um noch ein Jahr Ruhe betteln, das sie innerhalb des römischen Staates zubringen dürften. Auf dem Platze, wo einst ihre Vorfahren in Ketten dem versammelten Volke zur Beschimpfung, zum Hohn und Spott hingestellt waren, standen die Nachkommen nach vielen Jahrhunderten und trugen ebenfalls ihre Ketten, und das Volk stand auch wieder da und jubelte über die Schmach. Und wie das vorüber war, dann läuteten alle Glocken den Karneval ein, den Karneval, wo das italienische Blut heißer siedet, wo alle Lebensadern lebendiger schlagen, die einzige Zeit, wo alle Italiener einander gleich sind! Und indeß Jeder, die Tochter des vornehmen Principe, wie das Weib des armen Mannes aus Trastevere, das jenseits der Tiber wohnt, seine Maske nimmt und hinauseilt in das Gewimmel, wo Frohsinn und Heiterkeit herrschen, wo aller Schmerz und alles Weh, das so ein Menschenkind mit sich herumträgt, auf seiner Erdenfahrt wenigstens auf Tage oder doch Stunden vergessen ist, kehrte der unglückliche Jude nach