Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 49)
- Language
- German
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32 Rathhaussaal, sowie auch die blutigen Kleider des gemordeten Kindes, welche auch von der Mutter desselben sofort als die eigenen erkannt wurden. Die Juden hatten nur wenig gelitten, doch verging die ganze Nacht unter Wehklagen, Aufräumen des Zerstörten und Wache stehen, denn man fürchtete die nochmalige Rück-, kehr:des Pöbels, doch blieb Alles ruhig, und am Morgen war die Ordnung einigermaßen wieder hergestellt; da kam auch die wieder entlassene Deputation vom Rathhause und Alles lobte Gott und dankte ihm für die gnädige Errettung aus so großer Gefahr. Die Mörder wurden bald darauf unter furchtbaren Oualen hingerichtet, eine unzählige Menge strömte zu dem gräßlichen Schauspiele, doch keiner von den Juden verließ an dem Tage seine Wohnung, um dem Pöbel keine Ursache zum Streit zu geben; geraume Zeit verging, bis die Juden wieder ihrem gewohnten Verkehr nachgingen. Von Frankfurt waren Erkundigungen nach dem Stande der Angelegenheiten in Bacharach eingezogen, und die glückliche Ankunft des Rabbi nebst seiner Gattin gemeldet worden; nachdem die Ruhe wieder hergestellt, wünschte die Gemeinde sehnlichst, der Rabbi möchte wieder nach Vacharach kommen, doch dieser zog es vor, in Frankfurt zu bleiben, wohin er sich seine sämmtlichen Sachen senden ließ, sein Haus schenkte er der Gemeinde, als Wohnung für seine Amtsnachfolger. Im nächsten Jahre beschenkte ihn Sarah zum Peßachfeste mit einem Sohne, welcher nach seiner Ausbildung das Rabbinat in Bacharach erhielt; Abraham lebte noch viele Jahre vergnügt und sorgenfrei mit seiner Sarah in Frankfurt; seine Beschäftigung bestand in dem Studium der heiligen Schrift und im Ausüben von Wohlthätigkeit, und dort sowohl wie in Bacharach war sein Andenken noch Jahrhunderte gesegnet.