Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde um dieselbe petitionirt, und fast alle deutschen Kammern beneiden über diesen Gegenstand:in den ersten Jahren nach 1830. Dies bewog Rießer. eine Zeitschrift zu gründen, in welcher er sich die Aufgabe stellte, den Verhandlungen der Kammern über Emancipation der Juden in eingehender Darstellung und ernster Kritik zu folgen. Diese Zeitschrift ist: „Der Jude, periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit." Schon der Name derselben giebt ein Zeugniß für Rießer's Gesinnung. Man hatte seit Ende des vorigen Jahrhunderts den Namen „Jude" von jüdischer und christlicher Seite fast aufgegeben, und nur Die bedienten sich seiner noch, die damit zu kränken suchten; Rießer setzte ihn wieder in sein Recht ein, indem er ihn zum Schiboletb für die höchsten Güter des Menschen machte; die Träger des Namens hörten auf, sich seiner zu schämen, nnd nur dem Pöbel in der Literatur und auf der Gasse fällt es heute noch ein, ihn zum Schimpfwort herabzuwürdigen. Der größte und der werthvollste Theil aller Aufsätze in der Zeitschrift stammt von Rießer selbst her; er unterwarf die einzelnen Reden der genauesten Zergliederung, und hatte besonders die danklose Aufgabe, auch an vielen damaligen Wortführern der freiheitlichen Bewegung den Abfall von ihren eigenen Grundsätzen nachzuweisen, die Windungen und Schleichwege, auf denen sie bei, dieser Frage ins entgegenstehende Lager sich drängten, frei aufzudecken. Baden war das Land, wo zuerst Recht und Freiheit eine bleibende Wohnstätte zu finden schienen, Preßfreiheit wurde trotz des bundestäglichen Verbots eingeführt, in der Judenfrage aber stimmten die Vorkämpfer des Liberalismus. Welcker, Rotteck, Jtzstein und viele Andere, gegen die Gleichstellung. Kühn und furchtlos trat Rießer gegen sie auf und vernichtete in meisterhafter Ausführung jedes ihrer Argumente, den Widerspruch gegen ihre eigenen Doctrinen in das hellste Licht stellend. Der allgemeinste Beifall lohnte seine Bemühungen, die jüdischen Gemeinden Badens ließen die Abhandlung in einem Sonderabdruck nochmals erscheinen und sorgten für die weiteste Verbreitung im Lande, wie auch die