Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 25)
- Language
- German
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8 Gegner früher den Paulus'schen Angriff benutzt hatten, um auf die Mitglieder der Kammer einzuwirken. Der edle Welcker hatte die Selbstüberwindung, bei einer späteren Verhandlung seinen Jrrthum öffentlich zu bekennen, Andere zogen sich schmollend zurück oder setzten ihren Widerstand fort; die öffentliche Meinung aber ward den Juden günstiger, und wäre nicht die Strömung der Zeit eine andere geworden, in Baden hätte die Gleichstellung derselben sich sicher schon damals Bahn gebrochen. Aus anderen Ländern konnte Rießer Erfreulicheres berichten. Die bairischen Stände redeten ein kräftiges Wort zu Gunsten der schmählich Geknechteten, in Kurhessen ward die volle Gleichberechtigung der jüdischen Bewohner zum Gesetz erhoben. Auch in Preußen konnte man nicht an der lästigen Frage vorübergehen; in allen damaligen provinzialständischen Versammlungen ward sie angeregt und fast in allen ablehnend beantwortet; die Regierung, die sonst den Forderungen dieser Stände meist ein starres Nein entgegenftellte, betrachtete dieses Mal ihre Entscheidung als den Ausdruck einer „besonnenen Volksstimme". Rießer's Ausführungen über diese Verhandlungen gehören zu dem Besten, was er gearbeitet hat; der Standpunkt war hier ein ganz anderer, man hatte den „christlichen Staat" erfunden und von ihm aus die Juden nicht verjagt, was mindestens consequent gewesen wäre, sondern ihn als Handhabe gebraucht, sie zu kränken und ihr Recht zu verkürzen. Noch heute sind die Worte, die er sprach, in hohem Grade lesens- und beherzigenswert!), wie überhaupt es eine Täuschung wäre, zu meinen, mit dem Gegenstand sei auch die rechtliche Begründung veraltet. Ueberall geht Rießer auf die ewigen unbestreitbaren Principien zurück, und beleuchtet durch sie die Frage nach allen Seiten hin; das Licht, das er somit verbreitet, hat noch immer denselben Glanz, denn immer und immer wieder versuchen Menschen ihre Brüder zu unterdrücken und die brutale Gewalt für wohlbegründetes Recht auszugeben. Tiefe politische Einsicht in das Wesen des Staates und seiner Institutionen durchleuchtet jede Schrift Rießer's, und sie bleiben für alle Zeit