Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 21 auf das Jahr 5624 -1864
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/4085237-9640998--178-4085263- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 4 — Werth dabei sein -mochte, man war befriedigt. Nicht Viele hatten die Kraft, den Lockungen zu widerstehen, die so drängend an sie 'herantraten; unter den Wenigen war Rießer einer der Ersten. Bald nach beendigten Studien hatte er den Schmerz, den geliebten Vater noch in der Fülle der Kraft zu verlieren; vielleicht war dies die Veranlassung, die ihn mehrere Jahre von Hamburg fernhielt; er lebte theils in Frankfurt, theils in anderen Städten des südlichen Deutschlands, wiederholt in Heidelberg, und begann in dieser Zeit seine ersten schriftstellerischen Arbeiten auf dem Felde der gelehrten Jurisprudenz. - 1830 kehrte er nach Hamburg zurück, um da seinen dauernden Aufenthalt bei Mutter und Geschwistern zu nehmen; die Thätigkeit, die er hier als die von ihm angemessenste beanspruchen konnte, war die Advocatur. Aber auch hier trat ihm das Vorurtbeil in der Gestalt des geheiligten Gesetzes entgegen: die Immatrikulation als Advocat wurde ihm verweigert. Zum Glück war er in der Lage, jeden Nebenweg, um den gesetzlichen Formen zum Trotz den Anwaltsberuf auszuüben, verschmähen zu können, und so machten die Umstände fast ohne sein Zuthun ihn zum Schriftsteller. Genährt, wie er war, mit dem vollsten Bewußtsein des Rechtes, mußte der Widerstreit zwischen diesem und den herkömmlichen Satzungen, die an die Stelle desselben getreten waren, ihn bis in die innersten Tiefen seines geistigen Lebens verletzen. So war es daher der äußere Anlaß, der ihn zur rechtlichen Erörterung der bürgerlichen Stellung der Juden führte, denn von ihr war er persönlich zuerst getroffen, und in ihr erkannte er einen der schwersten Schäden des öffentlichen Lebens in Deutschland. So trat er denn am Ende des Jahres 1830 mit der Schrift hervor: „lieber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland." Der Gegenstand war von Vielen schon vorher behandelt, von Manchen mit ausgezeichnetem Talent, von Twesten in den Kieler Blättern, von Börne in seiner meisterhaften Schrift: Der ewige Jude, und von mehreren Andern. Dennoch erregte die Rießer'sche Schrift gleich bei ihrem