Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- II. Band 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 72)
- Language
- German
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n. GUTACHTEN VON DAVID MICHAELIS Mir Endcsuntcrschricbcncn ist der Catalogus der berühmten Oppenheimischen Bibliothcck, die einen unschätzbahren Vorrath der seltensten gedruckten und ungedruckten Rabbinischen Bücher enthält, zugesandt worden, um meine Meynung theils über den Werth, und ein mittelmässiges taxatum dieser Bibliothcck, theils über das, was beym Verkauf zu beobachten sey, wenn man sich nicht einem gantz enormen Schaden aussetzen will, zu sagen.. Ein eigentliches taxatum auch nur ins Große zu machen, ist mir nicht möglich gewesen, und die Ursache fält in die Augen, wenn ich hinzusetze, daß die Antwort bald erfordert wird, und ich den Catalogum nur auf wenige Tage behalten dürfte. Ein nut mittelmässigcs taxatum einer nicht so wichtigen und außerordentlichen Bibliothcck, als diese ist, würde erfodern, dassmanbey jedes Buch den mittclmäsäigen Auctionspreiß beyzeichnete, und dan diese Preiße addirte. Hierzu wäre bey einer solchen Bibliotheck eine weit längere Zeit auch für den besten Kenner der Bücherpreise erforderlich gewesen: aber hier komt noch der Umstand hinzu [G: dazu], daß es mir an Cataj.ogis Rabbinischer Bücher mangelt, bey -denen Xuctionsprcise beygezeichnet wären, und überhaupt, dass hier keine recht große Auctionen Rabbinischer Bücher gewesen sind. Allein noch viel wichtiger und unüberwindlicher ist die zweite Schwierigkeit, daß der Catalogus eine sehr große Anzahl von Manuscriptenrzum Theil ungedruckten Manuscripten enthält, die gewißermaßen unschätzbar sind, und den Preiß bloß von dem Meistbietenden bekommen können. Das aber kann ich wohl sagen, daß der Wehrt der Bibliotheck überaus groß ist. "Sie ist unter Juden und Christen als eine ganz vorzügliche, und beynahe die eintzige in ihrer Art bekannt, und schon dies vermehrt ihren Wehrt, weil bey einer Auction, oder auch Ausbietung zum Verkauf, wenn nur .sonst^in der Art und Weise nichts versehen wird, alles auf sie aufmerksam seyn würde: der einzige Mann, dem man in der Rabbinischen Bücher Kenntniß zu folgen pflegt, der selige Pastor Wölfl" zu Hamburg und deßen Bibliotheca Hebraea noch zur Zeit in diesem Stück der Litterairgeschichte unparallelisirte Hauptbuch bleibt, hat sie bekantermaßen ungemein genützt, und^. seine Schätzung derselben öffentlich bezeuget. Dies sind lauter be kante Sachen. Aus dem Blick in den mir communicirten Catalogus ersehe ich von neuen, daß sie, sehr große. Schätze enthält, sonderlich an Manuscripten, und daß unter diesen »so manche, wie ich s'chon vorhin erinnerte, noch ungedruckt sind. Sollte «in-eigentliches-taxatum etfodert werden; so würde mein Vorschlag seyn, dass beyde Partheyen auf den nicht bloß unter Juden, sondern auch unter Christen wegen seiner Gelehrsamkeit und Redlichkeit völlig bekannten- Herrn Moses Mendelssohn in Berlin compromittirten: wiewohl ich doch auch nicht glaube, daß er sich unterstehen wird, ein taxatum über den wichtigsten Theil der Bibliotheck, das ist, die Manuscripte, zu geben, denn der läßt sich nicht schätzen, und der wahre Werth ist kaum anders, als durch eine so, wie ich sie gleich beschreiben werde, veranstaltete öffentliche Feilbietung, zu erforschen. r Ich komme nehmlich nun zum zweyteri Stück der Anfrage, und da muß ich zum voraus sagen: alles geschwinde Zufahren und Uebereilen des Verkaufs würde eine sehr große Härte und eine laesio enormissima seyn, und können [G: könnte] veruhrsachen, das aus der Bibliotheck kaum der zehnte Theil deßen, was sie gekostet hat, und nicht