Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- II. Band 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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aber erwiese mir alle verlängliche civilite, und der alte Vorsinger bey der hiesigen Schulen, zeigte mir das notabelste von Büchern, und wornach ich etwa fragte. Zurnahl kein Catalogus bey der Hand jw'ar, als welchen der Rabbi Oppenheimer stets mit sich auf die reise nimt. Den Numcrum der vorhandenen Bücher konte Er nicht eigentlich sagen. Den ungefährlichen vberschlag nach aber, welchen ich nach den repositoriis machte, finden, sich zum wenigsten in die 6000 Codices oder Volumina worunter gern 2000 Mss. in allen Theilen der Weld von Juden geschrieben, und daher wegen ihres differenten doch allezeit Rabinischen Caracters curieux zu sehen. Deren viele, wie Er mir sagte und auch wohl vermuthlich, noch nie mahls gedruckt worden. Weil aber selbige eben nicht lesen kan, so rcmarquirte mir ein stück von der Bibel auf grosz-Pcrgamcnt geschrieben, ausz dem Thora, Scctionibus Prophctic. und Hagiograps. bestehen*^ so ziemlich ühr alt scheinet, und eins "dergleichen in kleineren format von einem reichen Juden vor wenig. Jahren überausz sauber geschrieben, mit der Masora in margine welche auf jeder seitc auf eine besondere manier von Rahm- Laub- Schrcnck- Werk, Thier, Fische etc. theils nur per Microscooium lesbar ad stuporem usque angebracht. Unter den gedruckten findet sich eine verwunderungswürdige Qvantite von Bibeln, alle editiones vom Talmud, und an gantz unbekannten Orten und kleinen Dörffern gedruckte Gebcth - und andere Bücher. Der Professor hat auszer der commodite der groszen Correspondencc, welche das Oppenheimerische Comtoir durch die gantzc Weld gehabt, noch diesen Vortheil, dasz Er wie durch die Kays. Erb-Lande und Pohlen, also auch in Venedig und in Jerusalem angenommener Rabbi ist. Wes wegen Er über all alles haben kan, wasz die Juden aufzufinden capabel sind, und braucht Er die precaution wenn Er etwas verschreibet, dasz Er an denjenigen, welcher es auffinden würde, nicht allein ein raisonables premiiim verspricKtT" sondern auch ein espece von Bann androhet2 falls Ers solte auffinden und unter-[S. 3 26]schlagen wollen. So wegen seines habenden grosz credits von guten effect seyn soll. Er collegirt über diese Bibliothec nunmehr etliche 20 Jahr ohne ansehen der Kosten, oder Mühe3. Ich aber wünschte Meineft Hochgeehrten Herrn Professor wohl das Vergnügen dieselbe, wenn der Professor gegenwärtig wäre, ad satietatem usque zu sehen und zu feuillettireji worvon Sie viel nutzen würden haben und machen können. Solte er noch Zeit meines dahierbleibens, anhero kommen, wie die Seinige hoffen wollen, will Ihn zu cajoliren und den Herrn Professor bpy Thrp hpsfny recom mendiren suchen, um wenigstens communication des Catalogi zu erhalten. Weil indessen diese Leutchen ein wenig, fufchtsarh scheinen, so habe um Sie nicht zu desobligiren, dem Herrn Abt Molano noch nicht einmahl von meiner Entdeckung part gegeben. So auch erst auf die letzte zu thun gedencke, um alsdenn wenigstens dadurch die Addresse offenzuhalten. Meinen Herrn Professor aber habe sogleich des über solche ausforschung gehabten Vergnügens theilhaft machen wollen mit der Versicherung dasz ich nechst empfehlung in den göttlichen Obschirm allstets verbleibe Des Herrn Professoris bereitwilligster Hannov. d. 27. Jan. 1714. Joh. Anderson. An den Herrn Prof. Reland ersuche gelegentlich um ein compliment. [S.j27] III. Hoch Edler und Hochgelahrter Hochgeehrter Herr Professor. Dasz Dero angenehme Briefe nicht ehender beantwortet, daran hat vorhin eine ausgestandene.