Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 233)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/3983568-8587096--235-3983800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
^Kultur Zügute"kommen zu lallen, fo z.B., wenn der Italiener MefTcr Leon (Jehuda ben Jechiel)- - um 1490 eine hebräifchc Rhetorik nach Ciceronianifchem Vorbild unternimmt"; aber diefe Ver- ~~ fliehe hatten keine BedeutungTmchv-erloren-fieh ■ ■' —ohrnr-jr^pn- YnrhKätp Ei gibt, foweit wir fehen, nur einen einzigen Fall —einer wirklichenund"beTälig^oTlenBegegtyungdes jüdifchen mit dem Rcnailfancegcifte, und auch diefe Begegnung blieb in der jüdifchen Gciftes^ gefchichte eine Epifodc: fö tief die Wirkung der „Dialoghi di Amorc" des Leone-Ebreo auf die gefamte Renailfancephilofophie gewefen ift, fo fanden fie doch in die jüdifchc litcrarifche Tradition keinen Eingang. Aber gleichwohl verdienen das Leben und die Lehre des Mannes, in dem diefe bedeutfame Begegnung ftattfand, unfer/lntereffe1. Die Familie Abarbanel gehörte, wie man weiß, zu den vomehmften der fephardifchen Judenheit, fie durfte unangefochten ihre Herkunft auf das Davidifche Haus zurückführen. Die Angehörigen diefer Familie im-14. und is-jahrnundertjgaren—— hochgeachtet als mächtige Finanzmänner und zu-— -fl Dar. Leben des Leone Ebico ift gleichfam ein ' Spiegelbild jenes Schickfals, das die ganze Fetzte fpanifch-jüdifche Generation betroffen hat: der Glanz und der Friede diefer glücklichften aller Stationen des jüdifchen Exils; Macht, Reichtum, Einfluß, Bildung; dann die Wetterzeichen der kommenden Kataftrophe; danach diefe felbft mit ihren vielgeftalten Schrcckniffen und nun eine unabreißlichc Kette aus Flucht, kurzer Raft, erneuter Flucht, wiedergewonnener Ruhe; die Heimatlofigkeit als Schickfal. Aus diefen Elementen baut lieh das Schickfal diefes ganzen entwurzelten Gefchlechtes, baut_ fich das Leben de^Jehuda Abarbanel, genannt Leone Ebreo, auf. 1 Vgl.-über ihn Hernhard Zimmels, Leo Hebräus, ein jüdilcher Philofoph der Renaiflance, Breslau 1886. - Eine Schrift „Leone Ebreo" vom Vcrfafler desTolgcnden Artikels ifl als Heft VII der „Heidelberger Abhandlungen zur Philofophie und ihrer Gefchichte", herausgegeben von Ernfl Hoffmann und Heinrich Richert, bei Mohr in Tübingen unlängfl erfchienen. _^kich als Mäzenaten der jüdifchen GelehrlanF^ keit. Rabbi Don Ifaak Abarbanel, der Vater des Leone Ebreo,ift gleich berühmt durch feine mächtige Stellung als erfter Minifter verfchiedener Könige und durch die große Zahl feiner theologifchen und exegetifchen Werke, deren Geltung im Felde der rationalen Bibelerklärung bis heute nicht gefchwunden ift. Sein eigentliches Studium galt natürlich der rabbinifchen Tradition, doch fcheint - und es ift wichtig, dies im Auge zu behalten, um die Bildungswelt zu kennen, in der iinfer Leone aufwuchs-doch fcheint Ifaak Abarbanel von früh auf fich zugleich weit mehr von Afr ahrmlliimlifil..... (rliriniit^n-jUMi-jm»ftepw^= Kultur angeeignet zu haben, als dies fonft bei den jüdifchen Gelehrten feiner Zeit üblich war. Daß wir in feinen Schriften allenthalben eine gründliche Kenntnis der weiten jüdifchen Literatur treffen, der talmudifchen wie der exegetifchen, der philofophifchen, der apologetifchen, ift wohl fclbftverftändlich; bemerkenswert aber ift, daß er Ariftoteles, die Pythagoräer,Empedokles, Plotin, Plinius, Seneca, Cicero, fowic Auguftin, Duns Scotus, Thomas von Aquin und mehrere andere chriftliche Schriftfteller zum Teil fehr gut kannte jmdjjenutzte. Wie guter mit4e^portugiefifchen Sprache und dem rhetorifchen Stil der Zeit vertraut war, verrät ein uns erhaltener Brief an einen 1 7______-r--.- ■ Adligen feiner Bckanntfchaft. - Seine Stellung war auch-foziaLhöchft glänzend. Er erlangte befondere Gnaden und Vergünftigungen von Alphons V., wie fich aus einigen unveröffentlichten Dokumenten im Liffaboner Arquivo Nacional ergibt: der König verlieh ihm den