Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 232)
- Language
- German
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DER RENAISSANCE-PHILOSOPH LEONE EBREO (JEHUDA ABAR^ANEL) / VON DR. HEINZ PFLAUM, JERUSALEM :■} , .. r ~\ Der^Rhythmus der jüdifphen Gefchichtc ift fo grundverfchieden von dem, in welchem die der abendländifchen Völker abläuft, daß auch die großen Bewegungen und Ercignifle,dicdas geiftige Geficht Europas im tiefften veränderten, feine eigentlichen Zeitwenden, ralt lpurlos am jüdifchen Geiftc vorübergegangen find, während umgekehrt "ctTelvanren SchickTalsftunden ^er jüdifchen Gerung des jüdifchen Kulturzentrums auf der Pyrenäenhalbinfel. Die jüdifche Kultur aber, Schrifttum, Denken, Lehre, Sprache, Recht, foziale -Ordnung, beharrt in lieh fclbcr. In feinem Zentrum und fall bis unmittelbar an feine Peripherie rezipiert das Judentum weder die fpezififchen kulturellen Inhalte der Renaiflancc noch ihre fpezifflcher geiftige "Attitüde: wodrr i\\v CiAtim^-i fchichte meift gerade mit den Paufen des curopäifchen Gefchichtsablaufs koinzidierten. So ift auch die große, in ihrer Struktur höchft komplexe _Bewcgung, die im Verlaufe des XIV.-XVI. Jahr^. von Antike und Natur noch das Pathos dcrNcuwerdung, reformatio. Die großen jüdifchen Vorgänge der Zeit, in der Spekulation die Neublüte ^leLKahhala, dieüch erft jetzt und nun auf lange hunderts Europa in allen feinen Teilen und in allen Zweigen feiner Kultur fo gründlich umgeformt hat, ohne eigentlichen Einfluß auf die innere Gcfchichte des jüdifchen Volkes geblieben. Seine äußere Gefchichtc ift freilich (aber auch nur mittelbar!) durch ein letzten Endes aus der Dynamik der Renaiffancc entfpringendes Ereignis , entfeheidend determiniert worden: aus der Gründung und mächtigen Ausbreitung des Dominikanerordens (einem lpczlfifchen Gebilde def Frührenaiflance wie auch der andere große Bettclf orden) und aus der chiliaftifchcn Unruhe der Zeit folgt die fpanifchc Inquifition, aus der Zcntraliiierung der militärifch-politifchen Macht und dem Erftarken des nationalen Bewußtfcins folgt die Vertreibung derAIauren aus Spanien; am Schnittpunkt diefer beiden Linien ftcht die Zertrümme- Zeit hinaus eine dominicrendeStcllung im Denken des Volkes erwirbt; in der Politik die mclfianifchc Erregung, die lieh zu großen, teilweife fchismatifchen Bewegungen verdichtet; in foziologifcher Hinficht der ftadtfehaftliche Zufammcnfchluß innerhalb der einzelnen jüdifchen Siedlungen, der die Errichtung der Ghetti erft möglich macht; fic alle haben mit den treibenden Kräften der zeitgenöflifchen europäifchen Gefchichtc wie auch mit deren einzelnen bedeutfamen Phänomenen und Persönlichkeiten nicht das geringfte zu tun; Ttenr Bcgriffsfchcma der abendländifchen Gefchichtc: Mittelalter-Neuzeit findet aufliefchlechterdings keine Anwclidung. Zwar fehlt es nicht an gelegentlichen Verfuchcn von jüdifcher Seite, die neuen Sehätze, die die Wirtsvöjker gefunden hatten, auch der eigenen