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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 204

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 204 (sequence 223)
Language
German
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Nach dem Bericht über die Mifchnaübcrfetzung retirö son livre de la douane et puisque vous fahrt Locke in leinem Brief an Toinard folgendermaßen fori: „Inzwifchcn möchte ich Ihnen gemeldet haben, daß Herr Boylc, als ich mit ihm Jjhrr fhirfc Talmudüberfetztmg fprachvinif fagte, Breite mit*T etes si grand serviteur au Zoar permettez-moi de vous en mander le titre magnifique" und teilte ihm den ausführlichen Titel des Buches in aller daß der Zohär neuerdings ins Lateinifche von einem fuhr gefchickten Mann in Deutfchland überfetzt worden fei zufammen mit Noten, die die alte Kabbala der Juden erklären. Er hatte den Namen des Autors vergelfen, er fei aber gegenwärtig Kanzler bei einem der deutfehen Fürften. Man hatte ihm ein Exemplar diefes Buches gefchickt, von dem er jedoch ftark vermutete, daß es auf dem Zollamt in London verloren gegangen fei, wo es der Kapitän, der es mitgebracht hatte, niedergelegt hatte und wo er es noch nicht in Empfang nehmen, ja nicht einmal finden konnte. Wenn Herr Boylc durch einen glücklichen Zufall fein Buch findet, werde ich Ihnen den Titel ufw. fchicken^ und wenn das Buch, wie Herr Boylc glaubt, nicht käuflich ■u haben ift, werde ich Ihnen das Buch felbft fchicken, welches mir zu leihen Herr Boyle verfprochen hat, um es Ihnen zu fchicken, wenn Sie das für angebracht halten" ______, . Man ahnt fofort^daß es fich bei der Überfetzung des Zphar um dieCabbala denudata handelt, deflen erftcr Band kurz zuvor im Jahre 1677 in Sulzbach erfchienen war, und deflen Vcrfafler Knorr von Rofenroth in der Tat feit 1666 Geheimer Rat und Kanzler des judenfreundlichen Pfalzgrafen Chrirtian Auguft von Sulzbach war. Wir wiflen von ihm, daß er ausgebreitete Kenntnilfe auf dem Gebiete derjüdifchen Literatur befaß und daß durch feinen Einfluß der hebräifchc Buchdruck in Sulzbach lehr gefördert worden iftin. Das Exemplar der Cabbala denudata, das er felbft oder ein anderer an Boylc als Gcfchcnk gefandt hatte, hat (ich übrigens kurze Zeit fpätcr-doch gefunden. Denn einen Monat darauf fchrieb Locke an feinen Freund Toinard: „Mr. Boyle a la fin a trouve et Was unferen Brief auch in feiner zweiten Partie fo intereflant macht, ift die Tatfache, daß er uns Einblick in die Unterhaltung zweier geiftigef Führer wie Locke und Boyle gewährt, und uns zeigt, einen wie verhältnismäßig breiten Raum die Rabbinica in ihren Gefprächen eingenommen haben. Wie aber, fo fragen wir, kam der große Naturwiflenfchaftler Boyle, der Begründer der wiflenfchaftlichen Chemie als Erfahrungswiflenfchaft, deflen Ziel eine auf das Experiment gegründete Theorie der Natur war, dazu, fich mit dem Zohar zu befchäftigenV Es Tlt fchon oben darauf hingewiefen worden, wie univcrfal die Bildung der Gelehrten im 17. Jahrhundert war, und wie man danach ftrebte, fich nicht nur eine auf dem gefilmten Wiflen der Zeit aufgebaute Weltanfchauung zu eigen zu machen, fondern fiermuch Einzelkenntnifle auf allen Gebieten der Gciftcs- und Naturwiflcnfchaften zu erwerben. Auf Boyle trifft das in befonderem Maße zu. Schon ein flüchtiger Blick in feine Gefammelten Werke lehrt uns, daß er nicht bloß der bedeutende Phyfiker und Chemiker war, fondern daß er in gleichem Maße als ausgezeichneter Theologe angefprochen werden kann, deflen „Thcologifchc Schriften" fpäter auch ins Dcutfche überfetzt und in mehreren Bänden gefondert herausgegeben worden find. Seine Considerations touching the style of the Holy Scripturcs geben überreiche Zitate nicht nur aus der Bibel, föndern auch aus der nachbiblifchen Literatur, ja fogar aus Maimonidcs, Manaflc ben Ifrael und aus dem Koran. Boyle felbft hatte das Hebräifchc mit Hilfe eines Juden erlernt und empfiehlt auch allen anderen das Studium diefer Sprache, da, wie er treffend bemerkt, ein großer Teil der hebrä-

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