Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 222)
- Language
- German
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Während Abrahams wahrfcheinlich gemacht hat, daß Ifaac Abendana im Januar 1676 Cambridge verladen hat, hat er für feinen Aufenthaltsort und feine Tätigkeit in der unmittelbar darauf folgenden Zeit nur Vermutungen ausfprechen können. In dieler Hinlicht füllt der vorliegende Brief Lockes eine gewifle Lücke aus. Wir lernen daraus erftens, daß er im Juni 1679 bereits längere~Zeit in Oxford anfällig war, wir hören ferner, daß feine Überfetzung, an deren Drucklegung man doch ernftlich gedacht haben muß, - denn fonft hätte die Hervorhebung hier gar kojn^n ^inn - mm d"fh endgültig reicht gedruckt werden würde, und wir erfahren endlich, daß Abendana in Unfrieden aus Cambridge gefchieden ift. Über die Gründe für die Nichtdrucklegung hat fchon Abrahams in fei-, nen beiden Auf fätzen Vermutungen geäußert. Dcf Hauptgrund ift ficherlich der gewefen, daß man in Cambridge damals noch nicht über dasgenügende hebräifche Typenmatenai verfügte. Kür kleinere AdrelTen undGedichte mag es wohl gereichthaben, aber ebenfo wie der Cambridger Robert Sheringhammit dem Druck feiner Jomaüberfetzung 1648 nach London gehen mußte, beftand für Ifaac Abendanas weit koftfpieligeren hebräifchenDruckauch in den 70 er Jahren in Cambridge noch keine Möglichkeit. Erft 1685 war ausreichendes hebräifches Typenmaterial für den Druck der Pfalmen in Cambridge vorhanden. Diefe Tatfache mußte dem Ifaac Abendana aber von vornherein bekannt gewefen fein, und daß er aus Enttäufchung darüber, daß feinemitvielerMühehergeftellteÜberfetzung nicht gedruckt werden würde, Cambridge vcrlaflen haben follte, fcheint mir fehr unwahrfcheinlich zu fein. Ich vermute den Grund des Zwiftes zwifchen ihm und-der4Jniverfität Cambridge vielmehr in perfönlichen Dingen. Sein oben fchon herangezogener Brief an Profcflbr Bernard aus dem Jahre 1673 zeigt deutlich, daß er in Cambridge nie warm geworden war - fagt er doch ausdrücklich, daß er,' wenn er nicht die Verpflichtung-"Temcv Überfetzung zu Ende zu führen hätte, amlicbften England vcrlaflen würde. Da ihn keine perfonlichen Beziehungen mit irgendeinem der Cambridger Profcfloren verbunden zuhaben fcheinen,wird er fleh dort fchon immer recht vereinfamt und gedrückt gefühlt haben, und nachdem vollends die Zahlungen der Univcrfitätmit der Vollendung feinerJÜberfctzung aufgehört hatten, lag für ihn kein Grund mehr vor, in dem von ihm nicht geliebten Cambridge zu bleiben. Nach Oxford hatte es ihn dagegen fchon immer gezogen. Außer dem AftronomcnBernard,dem er als Freund feine Nöte darlegen konnte, gab es dort jüngere Gelehrte wie Guilclmüs Güifius und Samuel Clericus, die er in ihren rabbinifchen Studien fördern konnte, ferner den gefeierten Edward Pococke und vor allem die Bibliotheca Bodleiana; mit diefcr7hatte er bereits von Cambridge aus Beziehungen «ngpirnripff^ A\n ihn im Januar 1667 fogar zu einer Reife nach Oxford vcranlaßten mit dem Erfolg, daß er der Bibliothek 1668 eine Anzahl hebräifcher Handfchriften im Werte von £ 37 verkaufte'". Seine Hoffnungen haben ihn auch nicht gotäufcht. Er hat fich in der- Tat in den folgenden Jahren in Oxford recht wohl gefühlt und insbefonderc auch dem Direktor der Bodleiana, Thomas Hyde in feinen hebräifchen Studien und bei feiner Edition des Fariflbl hilfreich zur Seite geitanden. Besondere Genugtuung mag es ihm bereitet haben, als feine Kenntnifle, die bisher nur immer ausgebeutet wurden, auch äußerlich anerkannt und ihm 1689 ein Lektorat an einem der Colleges übertragen wurde. Nach Cambridge, das den Druck feiner Überfetzung, nachdem er die Stadt verladen hatte, gar nicht mehr in Erwägung ziehen konnte, zog ihn nichts mehr zurück. Erir. aus dem Jahre.1692 ift ein Brief von feiner Hand an einen feiner früheren Cambridger Bekannten erhalten. 203