Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 217)
- Language
- German
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deckel mit Lederfchnitt an eine Arbeitsteilung glauben, fo daß auch hier, in unferem Falle, nach dem Wirken des Buchbinders die Kunft des fahren- ■ \ /- den Mcifters eingefetzt hat. '» - Weilt in diele Richtung nicht auch der Ausdruck r;rr:n?Für emen Buchbinder wäre diefe Bezeichnung wühl doch zu hochtrabend! Dagegen dürfte der „llluftrator"' mit einem Künftlcr, der feine Bilder in das Dorkpllrrlrr 7anrWr; wohl eher ZUfammcnfallcn. Und wie wir von der Tätigkeit jüdifchcr Miniaturiften wilfen, fo haben wir auch das Recht, jüdifche Lcdcrfchnittkünftler anzunehmen. Martin Bollert hat in feinem Werke über die „Lederfchnittbände desXIV. Jahrhunderts"1 auch nicht einen Lcdcrfchnittkünftler mit Sicherheit benennen können5. Ebenfo vermochte auch Hans Loubier trotz feiner eingehenden Kenntnis desfelben Materialcs aus dem XV. Jahrhundert mir keinen Mcifternamen anzugeben". Hier nun ift ein Lcdcrfchnittkünftler vor unferen Augen erftanden, der Jude Mei'r aus Ulm7, der im Jahre 1468 auf der Ratsbüchcrci zu Nürnberg einen Pcntateuch-Band8 mit Lederfchnitt gefchmückt hat. Vielleicht läßt diefe erfte Spur von feinem Wirken zu Nürnberg fich nunmehr noch weiter verfolgen. ANMERKUNCFN ' Friedrich Bock, der Direktor der Stadtbibliothek zu Nürnberg, hat, auf meine Anfrage hin, mich auf diefen Paflus verwiefen, der übrigens auch nocrPabgedruckt worden iiiin: Die ifraelitifche Bevölkerung der deutichtn Sfädte. Herausgegeben von Moritz Stern. III: Nürnberg im Mittelalter. 1894-1896. Seite 299. •Vgl. Soncino-Blätter. 1. Jahrg. Heft ij2.1925. S. 3of. und S. 45. ' Vgl. z. B. S. Haenle: Gefchichte der Juden im ehemaligen Kürftentum Ansbach. 1867. S. 173. - Vgl. auch Moritz Stern a. a. O. S. 93. Nr. 46. 1 Leipzig: Hierfemann 1925. ~ '- Vgl. Zentratbtatt, für Bibliothekswefen. 43. Jahrg. 1926. Heft 1. S. 30. Anmerk. 1. b Was den bei LeonGruel: Manuel historique et bibliographique de l'amateur de reliures, P. 2. Paris 1905, /.wifehen den Seiten 162 und 163 abgebildeten Lederfchnittband angeht, fo beweift der aus dem Vorfatz des Buches zitierte. Satz „Per Ulricu Sattner pbrm diligentissime rubricatu et incorpatu anno 1478" für uns nur, daß der Priefler Ulrich Sattner das Buch rubriziert und eingebunden (incorporare!) hat. Von der Schnittarbeit auf dem Deckel ift dabei überhaupt nicht die Rede. Der Schreiber des Satzes hätte diefe jedoch gewiß zu erwähnen nicht unterlafTen, fofern auch fie von ihm geleiftet worden wäre. In Ulm konnte man über unfern Künftler weder in den Urkunden noch in dep Steuerbüchern etwas ermitteln. In den letzteren fleht zumeifl nur „Judenfteuer", von foundfo viel Juden; Namen find dabei nicht genannt. s Man ift nunmehr genötigt, den Inhalt des Bandes, den Codex felber, nicht in das XVI. Jahrhundert zu verfetzen, wie der Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae regiae Monacensis es tut, fondern in das XV. Saeculum.