Mannheim
Compact Memory

Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 197 (sequence 216)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
83% known words query
IRI
…/3983568-8587096--218-3983783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

EINJÜDISCHER LEDER SCHNITTKÜNSTLER VON BIBLIOTHEKSRAT DR. MAX JOSEPH HUSUNG, BERLIN r . r. r Es ift die Tafel 2 zu meinem Artikel „Über den Sogenannten »jüdifchenLederfchnitt«"in Heft 1/2 diefer Zcitfchrift, deren hebräifche'Worte, nun- Tmehr ricRtig vefffänden, uns den bisher einzigen, mit Namen bekannten Lederfchnittkünftler übermitteln. Und diefer Mann war ein Jude. Lefen wir nämlicJidenhebräifcheh Text auf_dem Einbände des MüncheneTBuch^rhT^editerWeife, 1 fo ergibt fich: T^aaiff1 h'H^tna wpnyahlaa riarenb xaenrtti Sicher.zu deuten ift davon: „Pentatcuch für den Rat von Nürnberg, Mei'r Jafe, der Illuftrator." Was übrigbleibt, am Übergang von der drittenzur vierten Seite des Schriftrechtccks, das 'ttt, ist wohl eulogiftifch auf den Rat von Nürnberg " zu beziehen, also etwa „der leben möge". Um den Tatbeftand, der dem hebräifchen Texte zugrunde liegt, richtig zu erfäffen, müffen wir hier eine Stelle aus den „Urkundlichen Beiträgen zur Gefchichte der Bücherei des Nürnberger __ Rates, 1429-153$" abdrucken, die J. Petz im 6. Hefte der „Mitteilungen .des Vereins für Gefchichte der Stadt Nürnberg", 1886, auf S. 145 veröffentlicht hat. Dort heißt es nämlich, bei den „Verläffen des Rates,dic Librci auf dem Rathaufc betreffend", unter dem 4. Juli 1468: „Item Meyerlein jVdcn von Vlm ift vergönnt, hie zu fein vncz Danach foll alfo der Jude Mcir aus Ulm dafür, — daß er vom 4. Juli des Jahres 1468 bis zum Martinstage dcsfclbcn Jahres, d. h. bis zum I!• November 1468, in Nürnberg weilen durfte, als eine Art Steuer „etliche" Bände derRatsbücherci „ein laßen binden". Die pcrfönlicheJSotc in der Widmung des Buchdeckels aber wie auch die hebräifchen Typen in ihrer Echtheit lallen darauf fchh'eßen, daß Mcir zum minderten die künftlerifchc Arbeit, den Lcdcrfehnitt, felber gcleiftee---J hat. Dazu koilllmfals innerer Grund die gerade dem Manne aus Ulm geftellte Aufgabe. Buchbinder wird es damals in Nürnberg zur Genüge gegeben haben. Aber eben weil Mcir ein „Illuftrator", ein Künftlcr ift, wird ihm aufgetragen, eine Reihe von Bänden der Bücherei des Rates mit würdigen Einbänden zu verfchen. Das tut denn auch der fahrende Künftler,indem er die betreffenden Bände binden läßt und indem er dann die Buchdeckel felber mit Ledcrfchnitt verziert, in jener Schmuckform alfo, die in jenem Jahrhundert fo beliebt war, und die dem Juden damaliger Zeit am eheften lag2. Oder ift Mei'r etwa auch Buchbinder gewefen? Es war diefes Handwerk zwar eines von jenen, die von Juden betrieben werden durften '. Jedoch dürfte das immerhin künftlcrifchc Arbeiten mit dem Schnittmeffcr bei weitem nicht jedem Buchvf fanctM^rteins-tagc fchicrft, vnd foj^jn_emjat_ bir'^r p^fl™ hih™ tt..j .»i^y-j^riT^v^^ -tttiieh-hücher cirrtaßen binden in der liberey, vnd ~~ drein die Menge jener Künftlcr, die z. B. das Leder die ratfehreiber das in acht haben. Actum feria an den Möbeln auf gleiche Weife fchmückten? secundapostVisitacionisMaricvirginis(i468)."' Deshalb möchte ich bejm Verzieren der Buch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.