Mannheim
Compact Memory

Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 158 (sequence 177)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
81% known words query
IRI
…/3983568-8587096--179-3983744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dem Griechifchen haben durch ihn erfchöpfende Behandlung gefunden. Über jedes Loberhaben aber und die Krone aller feiner Schriften bleibt fein großes Werk „Die hebräifchen Cberfetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetfcher, ein Beitrag zur Literaturgefchichte des Mittelalters, meift nach handfchriftlichen Quellen" (1893). Der Titel läßt auch nicht annähernd ahnen, welch ungeheure Menge von Arbeit in dem Werke Heckt. Ein großer Teil der jüdifchen Literatur beruht auf Uberfetzungen, eine forgfältige Erforfchung dicfes Gebiets ift daher ein Eckpfeiler der Literaturgefchichte. Aber darüber hinaus hat Steinfehneider in den 1100 dicht gedrängten Seiten feines Werkes die gefamte Tätigkeit der Juden für die Überfctzungsliteratur und die Bereicherung der jüdifchen Literatur durch die Überfetzungen aus fremden Sprachen dargeftellt. Alle Gebiete der Wiflenfchaft des Mittelalters ziehen"an dem Lefer vorüber, nach den Enzyklopädien die Philofophie, Mathematik, Medizin und Volkskunde; neben Nachrichten über die Autoren gehen Unterfuchungen über die Gefchichte und den Charakter der Überfetzungen, über ihre fprachliche und literarifchc Bedeutung einher. Eine Sammeltätigkeit von unvergleichlichem Umfang -und unerreichbarer Intenfität war nach Steinfehneiders AuffafTung erforderlich, ehe er glaubte, eine wirkliche Literaturgefchichte fchreiben zu können. „Meine Abficht ift eine möglichft objektive gefchichtliche Darfteilung, weder apologetifch noch polemifch gefärbt, weder national noch theologifch zurechtgemacht." Seine Schriften mit ihren überaus reichen Materialfammlungen find nicht kurzweilig, er fchrieb, wie er es in feiner Neigung zur Selbftironifierung einmal ausdrückte, für ^fortlaufende Lefer" oder weniger fcharf zugefpitzt, für nachfchlagende, nicht für „lefende" Lefer. Aber diefes Ziel hat er erreicht, feine Lebensarbeit ift für jeden Erforfcher der jüdifchen Literatur unentbehrlich geworden, niemand kann ohne Steinfchriciders Hilfe auf diefem Gebiete vorwärtskommen. Er betrachtete fein grandiofes Werk als Dicnft an der Merifchheit, „der edle Menfch fühlt fich berufen, edle Menlchheit zu fördern". Unter den Mehrern des Kulturguts der Menfchheit wird er alle Zeit eine ehrenvolle Stellung behaupten!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.