Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 177)
- Language
- German
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dem Griechifchen haben durch ihn erfchöpfende Behandlung gefunden. Über jedes Loberhaben aber und die Krone aller feiner Schriften bleibt fein großes Werk „Die hebräifchen Cberfetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetfcher, ein Beitrag zur Literaturgefchichte des Mittelalters, meift nach handfchriftlichen Quellen" (1893). Der Titel läßt auch nicht annähernd ahnen, welch ungeheure Menge von Arbeit in dem Werke Heckt. Ein großer Teil der jüdifchen Literatur beruht auf Uberfetzungen, eine forgfältige Erforfchung dicfes Gebiets ift daher ein Eckpfeiler der Literaturgefchichte. Aber darüber hinaus hat Steinfehneider in den 1100 dicht gedrängten Seiten feines Werkes die gefamte Tätigkeit der Juden für die Überfctzungsliteratur und die Bereicherung der jüdifchen Literatur durch die Überfetzungen aus fremden Sprachen dargeftellt. Alle Gebiete der Wiflenfchaft des Mittelalters ziehen"an dem Lefer vorüber, nach den Enzyklopädien die Philofophie, Mathematik, Medizin und Volkskunde; neben Nachrichten über die Autoren gehen Unterfuchungen über die Gefchichte und den Charakter der Überfetzungen, über ihre fprachliche und literarifchc Bedeutung einher. Eine Sammeltätigkeit von unvergleichlichem Umfang -und unerreichbarer Intenfität war nach Steinfehneiders AuffafTung erforderlich, ehe er glaubte, eine wirkliche Literaturgefchichte fchreiben zu können. „Meine Abficht ift eine möglichft objektive gefchichtliche Darfteilung, weder apologetifch noch polemifch gefärbt, weder national noch theologifch zurechtgemacht." Seine Schriften mit ihren überaus reichen Materialfammlungen find nicht kurzweilig, er fchrieb, wie er es in feiner Neigung zur Selbftironifierung einmal ausdrückte, für ^fortlaufende Lefer" oder weniger fcharf zugefpitzt, für nachfchlagende, nicht für „lefende" Lefer. Aber diefes Ziel hat er erreicht, feine Lebensarbeit ift für jeden Erforfcher der jüdifchen Literatur unentbehrlich geworden, niemand kann ohne Steinfchriciders Hilfe auf diefem Gebiete vorwärtskommen. Er betrachtete fein grandiofes Werk als Dicnft an der Merifchheit, „der edle Menfch fühlt fich berufen, edle Menlchheit zu fördern". Unter den Mehrern des Kulturguts der Menfchheit wird er alle Zeit eine ehrenvolle Stellung behaupten!