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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 157

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 157 (sequence 176)
Language
German
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r i /■' •... Wohl verdient es Moritz Steinfehneider als der Vater der wiflenfchaftlichen hebräifchen Bibliographie gerühmt zu werden, doch wird man mit-diefer Bezeichnung feiner Lebens- - arbeit nicht gerecht. Die Bibliographie betrachtete er nicht als Endziel und Selbftzweck, fein Augenmerk war vielmehr auf die jüdifche Literaturgefchichte und noch weiter auf ihren Zufammenhang mit der Gefamtheit der menfehlichen Kultur gerichtet. Als Erfch und Gruber für ihre Allgemeine Enzyklopädie der Wiflenfchaften und Künde" eine zufammerihängende Darfteilung der jüdifchen Literatur fuchten, lehnten Zunz und Lebrecht die Bearbeitung ab. Steinfehneider übernahm fie mit frifchem Wagemut (1845), machte „die erften Verfuche, die Gefchichte der Juden im Mittelalter im Geilte und in der Methode unabhängiger WilTenfchaft darzuftellen", und er hat feine Aufgabe mit einer , für die damalige Zeit bewundernswerten Meifterfchaft gelöft. Der größte Teil diefer Literatur war in Vergeflenheit geraten, fie mußte aus Handfchriften und entlegenen Druckwerken erft wiederhergeftellt werden, es ließen fich zunächft nur Baufteine für eine fpätere erfchöpfende Literaturgefchichte zufammentragen. Nie hat Steinfehneider diefes letzte Ziel aus dem Auge verloren und am Ende feines arbeitsreichen Lebens kam er mit einer „Allgemeinen Einleitung in die jüdifche Literatur des Mittelalters" auf den Stoff zurück, mit deffen Bewältigung er in feiner Jugend begonnen hatte. Hatte er in dem Enzyklopädie-Artikel „Jüdifche Literatur", der den Umfang eines felbftändigen Buches angenommen hat, den Inhalt diefer Literatur dargeftellt, fo gewann feine „Einleitung" hervorragende methodologifche Bedeutung und kann geradezu als das wiffenfehaftliche Vermächtnis des Gelehrten gelten. —— - , ^Bei der Bearbeitung de&Artikels Jüdifche Literatur' empfand ich einen Quellenmangel, der mehr als eine bloße Lücke bedeutete; er betraf den Einfluß fremder Literaturen auf die jüdifche ... Wechfelwirkung jüdifcher und arabifcher Bildung in Schrift, Sprache, Ideengang und Brauch war noch im einzelnen zu unterfuchen ... die Teilnahme der Juden an chriftlicher Literatur auf dem Gebiete der Philofophie, Medizin, Mathematik und Volksliteratur war kaum geahnt." [Dal. S.4X.] Diefen Quellen nachzufpüren, erwählte Steinfehneider zu feiner Lebensarbeit, diefer univerfelleri Aufgabe galten alle feine * Forfchungen. „Der Zentralpunkt für alle jene Unterfuchungen", fchreibt er ein anderes Mal [Arabifche Literatur der Juden, S.'XLIX.], „war die Beziehung der jüdifchen Literatur zu anderen Literaturen des Mittelalters^ [nsbelbildere-auf dem-Gebieteder Wiffenfchaft." Kulturzufammenhänge waren es, die ihn feffelten,, Kulturgcfchichte war ihm „das eigentliche Ziel der Weltgefchichte, weil das Ziel aller Geiftestätigkeit". Die wiffenfchaftlichen Wechfelbeziehungen der Juden zu ihrer Umgebung galt es zu ermitteln, er durchmufterte aufs eifrigfte alle Literatur- und Wiffensgebiete des Mittelalters und Hellte den Anteil der Juden an der allgemeinen Geiftestätigkeit dar. Er bewies dabei eine ftaunenswerte geiftige Beweglichkeit und eine nicht genug zu bewundernde Univerfalität des wiffenfchaftlichen Intereffes. Die hauptfächlichften Träger und Vermittler der internationalen Kultur fah er in den Überfetzern; daher wendete er ihnen vornehmlich fein Augenmerk zu. Die arabifchen Überfetzungen aus dem Indifchen und aus »57

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