Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3983568-8587096--114-3983680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zu erfassen. Die Kunst der Gegenwart auf Stoff« und Milieuanalyse beschränkte, mußte in ihren bedeutendsten Erscneinun* Im zweiten tieft glaubte die Redaktion es gen vorgeführt werden, es mußte gezeigt schon wagen zu dürfen, Vertreter der neue« werden, daß Chagall z. B. kein zufälliges ren kunstwissenschaftlichenMethode, Prof. Phänomen in der jüdischen Gegenwart ist, Franz Landsberger und Dr. G. Marzynski, sondern daß er mit tausencTFaden mit der~sprechen zulassen. Immer war man bemüht, Vergangenheit, vielleicht auch mit jenem auch durch die Wahl des Illustrationsmate* Mohilewer Barockmaler Segal verknüpft ist, rialsAllgemeingültigesdürchJüdischesgreif* als dessen Nachfahre er sich rühmt. Die bar zu machen, den emotionellen Voraus* Kontinuität des jüdischen Schaffens, die kul* Setzungen des Lesers Rechnung tragend, turelle Zusammengehörigkeit der Judenheit Aber die allgemeine Kunst mußte unbedingt der verschiedenen Himmelsstriche und vor zu Worte kommen, die großen Zusammen* allem der Wert der künstlerischen Hervor* hänge mit der Weltkunst durften nicht bringungen, die der Jude nicht gewohnt war, ignoriert werden, wollte man nicht die Zeit* dem literarischen Schaffen gleichzustellen, schrift auf das Niveau eines Sammelsuriums das waren die bedeutungsvollen Momente, ethnographische!; Raritäten herabdrücken, die dem jüdischen Gefühlsleben zugeführt DaßsieihrenationalePhysiognnmietrnt/dfm werden mußten. _ _____——-—--r~wäliren konnte^ verbürgte die Sprache, das Aus_olchen Gedankengängen heraus baute lebendige Band des jüdischen Volkstums. sirh das Programm der Zeitschrift auf. Sie Der Rimon erscheint in der sich stetig er1* mußte sich mit der Gegenwart auseinander* neuernden Ursprache, der Sprache des Schrift* setzen, mit Impressionismus, Expressionis* tums,währendderMilgroiminderjüdischen mus, Konstruktivismus, mit Malerei, Plastik, Volkssprache erscheint, die bereits zu einem Theater, sie mußte sich mit der Vergangen* literarischen Ausdrucksmittel gediehen ist. heit auseinandersetzen, mit Gotik und Ba- Weder der hebräische Rimon, noch der jidrock. Bestimmte Kunstgattungen, die in der dische Milgroim sind Partei* oder Cliquen* jüdischen Kunst bevorzugt worden sind, organe. Durch die Gleichstellung beider wurden vornehmlich kultiviert: Hand* Sprachen war beabsichtigt, den Sprachen? schriftenmalerei, antike Glasmalerei, Kupfer* streit vollkommen auszuschalten, der die stich, sowie inhaltliche Motive und bedeu* Perspektiven so leicht hätte trüben können, tende formbildende Momente. Es war kein Jede Zeitschrift suchte sich in den Grenzen aufs Geratewohl ausfällendes Herausgreifen ihres Sprachbezirkes philosophische, bell«* aus der Fülle künstlerischen Geschehens, tristische, dichterische Beiträge zu sichern; sondern ein behutsames Wählen und Wägen, der Rimon brachte Erzählungen von Agnon, geleitet von der Aufgabe, das Verhältnis des während der Milgroim z. B. ein Essay von Juden zur Kunst mit Berücksichtigung seiner Bergelson druckte. In manchen Fällen spezifischen Einstellung auszubauen. Von ließen sich diese Grenzen durch eine Über* gefühlsbetonten Stoffen wurde das Interesse setzung in die andere Sprache verwischen, des Lesers auf das Allgemeinere, Fernere hin* Angesichts der speziell werberischen Aufgabe übergeleitet. So konnte es nach einigen Vor* derZeitschrift, in recht weit gezogenenKreisen führungen jüdischer religiöser Händschriften* Kunstinteressen zu erzeugen, schien es nicht mälerei mit einem Aufsatz von Dr. William angebracht, die kunstwissenschaftliche Be* Cohn über chinesische Malerei versucht trachtung von anderen Geistesgebieten zu werden. Eine Skizze von Meier*Graefe über isolieren: so wurde es eine Zeitschrift für Cezanne sollte von Anfang an den Bruch mit Kunst an erster Stelle, aber auch für Lite* der in der jüdischen Kritik vorherrschenden ratur*—— Methode bezeichnen, die sich immer noch Rahel Wischnitzer*Bernstein 96