Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 29)
- Language
- German
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den, ob sie nicht zuviel Tinte enthält. Wer nicht lesen kann, obgleich er die Schrift nachzumalen imstande ist, ist zum Schreiben eines Sefer uns geeignet. Wie bekannt, wurden im Mittelalter nicht selten Bücher von Analphabeten (oftMönchen) kopiert, wie auch heute hebräische Setzer, zum großen Teil Nichtjuden, den.Text nicht, lesenkönnen. Jeder Buchstabe mttlHuT^^iic1fä1fem^s^jh>ieben sein, er muß von allen Seiten vom Pergas ment umfaßt sein, er muß einen eigenen Körper bilden, Ligaturen sind also verboten. Wenn im Pergament ein Loch ist, über welches die Tinte jllchtJiinweggeht, sölL es^ vorerst ausgebessei-Twerden. Die Form jedes einzelnen Buchstabens ist jetzt genau bestimmt, aber auch früher hielt sich der Schreiber streng an seine Vorlage nicht nur bezüglich des Textes, sons dem auch bezüglich der Schriftform. So erklärt sich die geringe Variabilität der hebräischen Quadratschrift in Bibeltexten, wodurch eine zeitliche Bes Stimmung derartiger Handschriften bis heute noch nicht gelungen ist. Jedes Häkchen ist vorbestimmt. Wenn ein Strich eines Buchstabens, er sei noch so klein, mit dem Körper desselben nicht zusammenhängt, sind es schon zwei Buchstaben, und es muß ausgebessert werden. Zwei Buchs _^taben dürfen nicht einenJCc^ J&ör^er-bildenr-SieijerrBuxhstaD^ müssen mit Strichelchen, so* genannten Krönchen, verziert sein, was manche Thoraschreiber zur An* bringung ähnlicher Minutien bei manchen anderen Buchstaben veranlaßt hat. Alle Eigenheiten des Bibeltextes, wie z. B. große und kleine Buch* staben, Punkte über Buchstaben und Worte (insgesamt an zehn Stellen), . umgekehrte Nunbuchstaben (im IV. Buch Mosis 10,35^36) und anderes müssen sorgfältig kopiert werden. Hat sich derSchreiber geirrtt wird das i_ J^hlerhafte ausradiert ^md an seine Stelle das Richtige gesetzt; hat er Buchs staben oder ein Wort vergessen, werden sie über den Text zwischen die Zeilen gesetzt. Letzteres kommt in der Praxis kaum mehr vor. Worts brechung, Wortteilung kennt das Hebräische nicht. Wie ich schon ers wähnt habe, dürfen zwei Buchstaben, wenn sie kein selbständiges Wort bilden, in die Zwischenkolumne eingestreut werden. In der Praxis kommt dies schon seit alter Zeit nicht mehr vor, denn die Schreiber verlängern oder verkürzen nach Bedarf die obere Linie gewisser Buchstaben (litterae dilatabiles: or^nx, aber auch andere), so daß sie die Zeile immer mit einem ganzen Wort beendigen. Aus demselben Grunde wird auch von der Ers laubnis am Ende „der Zeile, wenn für ein ganzes Wort kein Raum mehr übrig ist, etwas leer zu lassen, kein Gebrauch mehr gemacht. Einen solchen Raum mit dem ersten Buchstaben der nächsten Zeile oder durch irgends ein Zeichen auszufüllen, wie dies in Handschriften üblich ist, fällt dem Thoraschreiber gar nicht ein, denn das wäre eine Zutat zum Texte. Selbst 23