Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 27)
- Language
- German
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Zwischen den Kolumnen (Spalten) muß ein leerer Raum gelassen werden, ein Interkolumnium. Über Kolumnen, Interkolumnen, Rander und Spatien gibt schon der palästinische und der babylonische Talmud An? Weisungen, welche bis heute, in Geltung stehen. Sie lauten wörtlich wie folgt: »Es muß leer gelassen werden zwischen zwei Zeilen der Raum von einer Zeile, zwischen je zwei Worten der Raum eines Buchstaben, zwischen zwei Buchstaben eine Haarbreite, zwischen zwei Kolumnen eine Daumen* fingerbreite. In einem Buche müssen oben zwei und unten drei Fingers breiten leer gelassen werden. Juda (der Patriarch um 200) meint: oben drei Finger* und unten eine Handbreite.. Zwischen zwei Büchern derThora muß ein Raum von vier Zeilen leer bleiben. Man muß das Buch beenden in der Mitte der Kolumne und das folgende Buch ebenda beginnen. In der Prophetenrolle schließt man am Ende der Kolumne und beginnt das folgende Buch am Anfang der Kolumne. Aus einem Blatte dürfen nicht weniger als drei und nichHhehr als acht Kolumnen gemacht werden. Am Ende darf man indes auch einen einzigen Vers auf ein Blatt schreiben. Die Schrift darf weder wegen des unteren oder oberen Randes, noch wegen des Raumes zwischen den Zeilen und den Abschnitten kleiner gemacht werden. Ist ein Buch der Thora am Ende der Kolumne zu Ende gegangen, beginnt das nächste oben, d. h. ohne leeren Raum. AmAnfanj*unclam Encte-des Buches muß für die Umwicklung^o^eT^Sa^lle^bezTehungsweise des ganzen Buches em unbeschriebenes Stück leer bleiben.« Eine Fingerbreite ist etwas weniger als 2 cm, demnach beträgt der Zwischenraum der Kolumnen 4, der obere Rand 6, der untere 8, der Zwischenraum der einzelnen Bücher der Thora gleichfalls 8 cm. Eine Normalkolumne hat es vielleicht im Altertum gegeben, seit dem frühen Mittelalter gibt es keine, sie variiert naturgemäß nach deirGröße des~^chreibbrattes der Thorarolle. TMeTinzelnen Blätter werden, nachdem sie beschrieben wurden, zusamt menge näht, und zwanmit Sehnen aus demselben Material; aber oben und unten wird ein Stück freigelassen, damit das Buch beim Rollen infolge der »Befestigung« keinen Schaden erleide» Sowohl die jüdische als die nicht* jüdische Welt hatte im Altertum die Bücher in Rollenform. Unter Buch stellte jnan sich^ausschheßlich eine^Rölle^or, wie das großartige Bilddes Jesaia (Kap. 34, Vers 4) lehrt: »Der Himmel rollt sich zusammen wie das Buch.« Im Gegensatz zur Rolle nennt man das gefaltete Buch, d. i. die egenwärtige Form des Buches, Kodex. Die ganze altrabbinische Literatur ennt zwar nur Rollenbücher und keinen Kodex, aber mindestens seit tausend Jahren ist der Kodex auch bei Juden die gangbare Form des Buches, nurdas Synagogenexemplar derThora (und der Estherrolle) hat die altheilige —Form der Rolle beibehalten. Jedes Rollenbuch war mit einem Stab versehen, 21