Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3983568-8587096--025-3983592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Regeln eines Prachtexemplars angefertigt wurde. Die einmal festgesetzt ten Schriftregem, welche in der Folgezeit streng eingehalten wurden, er* hielten religiös verpflichtende Kraft. Daher kommt es, daß die Thora« rolle, wie sie in den Synagogen bewahrt wird, im ^oßen^md_gajizenjiejn^ offiziellen Thoraexernplaj^lexjud Jium^alsi4usteifcöiförr^ gleicht. Die Synagogenrolle ist mithin auch in ihrer äußeren Gestalt Jahrtausende alt und die einzige lebende Vertreterin des antiken Buches überhajipt______^_____—— Während in der antiken W^ltcheBuTfecfcelber zumeistSklaven waren, muß die Thora (wie auch die anderen biblischen Bücher) von einem frommen Manne geschrieben werden. Der Schreiber, er sei nun ein Privatmann oder ein Berufsschreiber (Sofef), mufr vor Beginn der Arbeit die Worte sprechen: Ich schreibe, um eine heilige Thora anzufertigen. Die Weihe muß schon bei der Zubereitung des Beschreibstoffes beginnen. Personen, welche, gleichviel aus welchem Grunde, religiös nicht vollwertig sind, Ketzer, Minderjährige, Frauen und andere, sind zur Anfertigung einer Thorarolle nicht geeignet, die von ihnen geschriebene Rolle besitzt nicht die Heiligkeit der Sefer Thora. Dasselbe gilt von gedruckten Büchern, selbst wenn sie allen äußeren Anforderungen entsprechen, Rollenform usw. haben, da ihnen die unerläßliche Weihe bei der Herstellung notgedrungen fehlt. Alle jüdischen Gesetzbücher, vom Talmud angefangen bis auf den Schulchan Aruch (16. Jahrhundert), enthalten Anweisungen für den Thora* Schreiber, noch im 19. Jahrhundert sind eigene Handbücher für Thora* Schreiber erschienen, ergänzende Bemerkungen in einer eigenen Schrift auch in dem laufenden Jahre. Der Grundstock der Anweisungen geht aber auf das Altertum zurück; die Darstellung des Schreibens der Sefer Thora, zu welcher ich nun übergehe, beruht also im großen und ganzen auf alten Überlieferungen, ein Beweis, wie wenig sich die Anfertigungsart der Synagogenrolle seit dem Altertum geändert hat. Ich beginne meine Skizze mit dem Schreibstoff. . - \ . . I . Seit uralter Zeit gebrauchten die orientalischen Völker Leder zum Schrei* ben, dessen sich auch das jüdische Volk bediente. Es gab drei Arten von Schrifthaut. Die Tierhaut, von welcher die Haare abgekratzt wurden, ohne daß Teile »der Haut abgeschält worden wären^ hieß Gewif: ^).' Wurde das Fell gespalten, so hieß der äußere Teil Kelaf (*^p), der innere Teil Döchsostos. Kelaf und das dunkle griechische Dochsostos sind zwei Arten von Pergament, von welchen bei der'Thorarolle nur die erstere ' . 1 ■ 17