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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 16

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 16 (sequence 22)
Language
German
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DAS~£€M£Ö4^^ VON PROF. DR. LUDWIG BLAU, DIREKTOR DER LANDESRABBINERSCHULE BUDAPEST v_ ■ * ■i Das einzige Buch der Weltliteratur, dessen Anfertigung bis in die kleinste Einzelheit genau geregelt ist, ist die Synagogenrolle, die Sefer Thora. Schon im Ahertpwwiifcten die Hauptregeln fest? gelegt, welche in ihren-Grundzügen bis auf den heutigen Tag in Geltung stehen. Im Laufe der Jahrtausende wechselten in Ländern und Erdteilen Schreibstoffe und Schreibarten, mit welchen die weithin zerstreuten Juden bekannt wurden und deren sie sich in ihrem Privatleben und ihrer Literatur auch bedienten; aber auf die Anfertigung der Sefer Thora haben sie ihnen wissentlich keinen Einfluß gewährt, undauch der unwissentliche Einfluß ist ein ganz unwesentlicher, nur dem Geschichtsforscher bemerkbarer. Die Thora ist das Wort Gottes, die Offenbarung für ewige Zeiten; ats solche wurde sie verehrt, angebetet, nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch in ihrer äußeren Form, in ihrer materiellen Gestalt. Heilig ist nicht nur das Gotteswort, sondern auch die irdische Hülle? die man mit einer Verehrung umgab, welche ein »aufgeklärter Mann« unserer Tage kaum begreifen kann. Wenn man eine^i^orare&e^rbikktrdie jemand in derTÄrmen trägt, mulT man ehrerbietig aufstehen und so lange stehenbleiben, bis das heilige Buch dem Gesichtskreis entschwunden ist. Über eine Thorarolle, die verbrannt wurde, legte man Trauer an wie über den Verlust von Vater und Mutter. Dies sind nur zwei Beispiele aus den vielen Geboten über die Verehrung der Thora, welche im Talmud — wie ich der Kürze halber die gesamte jus dische Tradition benenne — enthalten sind. Die Thora erscheint vielfach personifiziert und erfreute sich auch in ihrer äußeren Gestalt einer Ans betnng wie keiivzweitesJkich. Das Schriftwort »ich preise die Schönrjeit Gottes« bedeutet nach der Auslegung der Alten, ich will Gott zu Ehren eine schöne Thora schreiben. Denn jeder Jude ist verpflichtet, ein Thoras exemplar zu besitzen und es für sich eigenhändig zu schreiben. Wenn auch dieses hehre Ideal zu keiner Zeit und in keinem Lande erreicht wurde, auch nicht im Heiligen Lande in der Zeit seiner Blüte, so bewirkte doch das Ges bot, eine schöne Thora zu schreiben, daß jedes einzelne Exemplar nach den t

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