Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 11 (1.11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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u. 11 In Pr—B—/NotddüHcfcl—d_1 .Wo—bar IW« die Gefahr de* Erstarren» de* synagogalen Gottesdienste* hi Schern* Swlxer und Lewandowski erkanntem, enchieaea die ersten Freitagabendgesänge Kirsehnert all verheißungsvoller Auftakt an neue** Begännen. So sind aneh manche seiner Kompositionen (die bekannteste ist ein W’scbom’ru in h) schnell beliebt geworden nad koanten sich sa sahireichen Gemeinden des Inand Auslands darehsetsea and behaupten. Und wie das Werk stet* seinen Meister ehrt, so werden Emanuel Kirschners weäherollea Teuspelgesänge noch in fernen Tagen ron seinem frächt baren Schafen sengen. Die schöne Stimme des großen Chssaa aber ist rerstnmmt and wehmatroUes Erinnern nnr bleibt allen, die sie so gern gehört haben und denen sie stets Erben nag, Anfriehtang and Trost geschenkt hat. 2. fubüarc Leon Kernitser 25 Jahre Oberkantor am Israelitischen Tempel sa Hamharg Am ersten Tage Basch Hasehana waren 25 Jahre r ergangen, seitdem Oberkantor Leon Keraitser, ron Prag kommend, sein Amt am Israelitischen Tempel sn Hambarg übernahm. Dieses Jabilünass werde innerhalb der Fcstgettcsdieaste an der Stätte seiner Wirksamkeit gedacht. In Anbetracht der großen Verdienste, de sich Kornitser am die Aasgestaltnag des Gottesdienstes am Hambarger Tempel erworben hat, and bei dem Ansehen and der großen Beliebtheit, deren er sich seit Jahrsehnten weit aber den Kreis seiner Geaseiade hinaas erfreut, gestalteten sieh diese Wärdigangea sa wohlverdienten Eh rangen. Kornitser hat es vortrefflich verstanden, den Gottesdienst am Haasbarger Tempel der ihm früher aafgeprägtea sefardisehea Oberfläche sa entkleiden, nichtjädisehe Elemente daran* sa entfernen and ihn der aschkenasischen Tradition raso führen. Dabei seigte er eia pietätvolles Feingefühl für alles, was innerhalb dieser Gemeinde, insbesondere in der Amtsseit seines Vorgängers Moris H e n 1 e sei. A. sich sn einer eigenen Tradition angesetst hatte. Fehlendes ergänste er durch eigene Neu Schöpfungen. Ein Teil seiner Kompositionen, die so im Laufe der Jahre, zumeist auch für den Gottesdienst am Hambarger Tempel, geschaffen wurden, sind in einem stattlichen Bande, „RomemoB el“, vereinigt, dessen Erscheinen 1928 in Fachkreisen mit Freuden begrüßt wurde. Manche seiner Tonschöpfungen sind auch in anderen Gemeinden esngeführt, und viele seiner Kollegen singen sie gern und mit Erfolg im Gottesdienste und in Konzerten. Die jüdische Kantorenschaft ist Kornitser sn besonderem Danke verpflichtet. Er hat fast sehn Jahre lang in der Vereinigung Jüdischer Kantoren ni Deutschland, E. V., deren Ehrenmitglied er ist, den Vorsits geführt, hat ihr Fachorgan „Der Jüdische Kantor**, nicht zuletzt durch Arbeiten aus eigener Feder, auf eine anerkannte Höhe gebracht und es verstanden, die Interessen des Kantorenstandes stets mit vorbildlicher Würde sn vertreten. Auch als langjähriger Musikreferent des „Israelitischen Familienblattes** hat Kornitser sich verdient gemacht und durch geschickte, geschmackvolle und stilgemäße Bearbeitungen zahlreicher synagogaler Melodien und häuslicher hebräischer Gesänge, die in den regelmäßigen Musikbeilagen dieses Blattes erschienen sind, weite Kreise des Judentums mit den Werten and Schönheiten unterer überlieferten Weisen bekannt gemacht. Mögen dem schaffen tfreudigen jugendlichen Jubilar noch viele nnetrübte Jahre erfolgreicher Arbeit in seinem eiligen Amte beschieden sein! Arno Nadel sechsig Jahre alt Also Nudel, der jüdische Musiker, Dichter und Maler, beging am 3. Oktober seinen 60. Geburtstag. Wenn van den drei Künsten, die dieser vielseitige Mann ausübt, hier die Musik zuerst genannt ist, so soll damit nicht gesagt sein, daß in dem Künstler Nadel der Maler hinter dem Dichter, der Dichter hinter dem Musiker zurücksteht. Gerade die Vielfältigkeit in Nadels künstlerischem Schaffen hat jeder einzelnen seiner Künste ihre Eigenart gegeben* Hier aber soll insbesondere des Musikschaffens dieses Sechzigjährigen gedacht werden. Die Musik war wohl auch diejenige Kunst, der er sich zuerst zugewandt hat. Als Knabe kam er aus seinem Wilnaer Elternhaus zu Birnbaum nach Königsberg, besuchte dann in Berlin da* Lehrerseminar und begann hier in Fühlung mit der Berliner Jüdischen Gemeinde seine Laufbahn als Chordirigent, zuerst nur während der Gottesdienste an den Hohen Feiertagen, später ständig in den Gemeandesynagogeu Kottbuser Ufer und Pestalozzistraße. Schon früh seigte sich in Arno Nadel kompositorische Begabung, die er in den Dienst der religiösen Tradition stellte. Sein traditionelles Empfinden findet auch im überlieferten Chasanut stets mit scharf kritischem Urteil das heraus, was ab spezifisch jüdisch anzusprechen ist. Das Assimilatorische in der Synagogenmusik lehnt er ab und erkesint in sieben Charakteren die „Merkmale der jüdischen Melodik**, über die er in zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen sich äußert. Sein feiner Spürsinn weiß in aller Welt die seltenste traditionelle Musikliteratur aufzustöbern, und er entdeckt das „Hannoversche Compendium** (1744), die älteste Notenhandschrift aaehkenasiteker Synagogenweben. Mit Kenntnissen und Begabung und einem Aufträge der Berliner Jüdischen Gemeinde ausgerüstet, geht er an die Aufzeichnung seines groß angelegten synagogal-musikalischen Cosapeudiums — leider noch nicht gedruckt! — das Ueberliefertes und Eigenes enthält. Einige seiner Kompositionen erscheinen preisgekrönt in dem von der Vereinigung Jüdischer Kantoren herausgegebenen Sammelbande „Schire simroh**. Aber ein anderes Feld zu beackern sollte dem Musiker Nadel fast ausschließlich Vorbehalten bleiben. Mit jeder Faser seines Herzens bt er dem ostjüdischen Milieu seiner Heimat verbunden, jede Schwingung seiner künstlerischen Seele weiß das ausaudrücken. Kein Wunder, daß sie den Bhythmus des ostjüdischen Volksliedes so gern aufnimmt, das Arno Nadel an seiner Wiege gesungen wurde. Durch zahlreiche Bearbeitungen der schönsten ostjüdischen Volkslieder, die in Einzelausgaben und gesammelt erschienen sind, hat Nadel sich hochverdient gemacht. Dafür sei ihm, dem Sechzigjährigen, heute besonders gedankt mit dem traditionellen Wunsche: Ad mea w* essrim schana! Bb 120! lauf Sprafflen Rechenschaftsbericht über ein halbes Jahr der Organisation von Sprachkursen von Max Birnbaum, Berlin Der sich steigernde Auswanderungsdrang und die Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren von den jüdischen Auswandererhilfsstellen im In- und Ausland gemacht worden sind, haben die Bedeutung und Notwendigkeit einer ausreichenden sprachlichen Vorbereitung der Auswanderer erkennen lassen. Für diese sprachliche Schulung bestehen in den Großstädten sowohl durch die dort vorhandenen jüdischen Lehrhäuser als auch durch zahlreiche Einrichtungen und Möglichkeiten privater Art genügende Vorkehrungen Dagegen fehlte es bisher an entsprechenden Möglichkeiten in den kleinen und mittleren Gemeinden. Um diesem dringenden Bedürfnis zu begegnen, wurde in den Etat der Reich »Vertretung ein Posten für di* Einrichtung von Spraehlehrgängen für Answanderer in den kleinen und mittleren Gemeinden eingestellt. Die Reichsvertretung vereinbarte für das Gebiet des Preadtiaehen Landesverbandes, daß dieser die organisatorische Durchführung der Aktion übernahm. Gleichzeitig stellte der Landesverband auch seinerseits entsprechende Mittel zur Verfügung. Im April dieses Jahres gingen die ersten Rundschreiben des Landesverbandes in der Sache hinaus. Sie fanden einen überaus starken und positiven Widerhall. Binnen kurzer Zeit konnten m zahlreichen Gemeinden Sprachlehrgänge, insbesondere im Englischen, vielfach aber auch im Spastischen, eingerichtet werden. Es seigte sich dabei, daß es häufig tatsächlich nur der zentralen Anregung und Vermittlung bedurft hatte, um ohne weitere materielle Hilfe das Zustandekommen der Unterrichtskurse herbeisuführen. Dadurch, daß seitens des Landesverbandes die vorhandenen Lehrkräfte in zweckmäßiger Weise für größere Bezirke eingesetzt wurden, und daß die Gliederung des Unterrichts, die Vergütungssätze und die Kottenverteilung zuf die einzelnen Teilnehmer nach einheitlichen Richtlinien durchgeführt wurden, konnte in zahlreichen Fällen erreicht werden, daß die Kurse sich ohne Zuschuß selbst trugen. Selbstverständlich war dies nicht immer möglich. Vielmehr mußten in dem Maße, in dem das Nets der Unterrichtskurse immer engmaschiger ausgestaltet wurde und insbesondere auch die Erfassung der kleineren und abgelegenen Orte in Betracht kam, zentrale Zuschüsse in steigendem Umfange eingesetzt werden. Als Ergebnis des ersten Halbjahres seit Beginn der Initiative des Landesverbandes kann festgestellt werden, daß mit Hilfe bsw. auf Anregung des Landesverbandes zur Zeit Erwachsenen-Spraehunterricht in 209 kleinen und mittleren Gemeinden - mit insgesamt 328 verschiedenen Kursen eingerichtet worden ist. In welchem Maße gerade die kleineren Plätze dabei berücksichtigt werden konnten, die ohne die zentrale Hilfe und Anregung kaum ein entsprechendes Vorhaben hätten durchführen können, ergibt sich daraus, daß in der Provinz Brandenburg 21 Gemeinden mit 36 Kursen, in der Provinz Grenzmark 12 Gemeinden mit 17 Kursen, in der Provinz Hessen-Nassau 34 Gemeinden mit 49 Kurten beteiligt sind. Die Arbeit kann noch keineswegs als abgeschlossen gelten, weil sich täglich neue Gemeinden melden, und weil die Auswirkungen der Auswanderung sowohl bei den Lehrern wie bei den Schülern ständige Umdispositionen und Neugliederungen erforderlich machen. Zur Zeit sind 124 Gesuche auf Einrichtung neuer Unterrichtsstationen in Bearbeitung. Die Hauptschwierigkeit für die Sprachkurse in der Provinz besteht in dem außerordentlichen Mangel an geeigneten Lehrkräften. Die regelmäßigen Fortbildimgalehrgänge der Reichsvertretung, insbesondere für englische Sprachlehrer, sind deshalb sehr zu begrüßen und müßten nach Möglichkeit noch weiter ausgestaltet werden. Der Mangel an Lehrkräften macht es leider auch ' notwendig, die Anforderungen an das in den Kursen Erreichbare surücksuschranben und im wesentlichen darauf zu beschränken, daß die Teilnehmer sich elementare Kenntnisse der fremden Sprache aneignen. Wenn man die völlige Unkenntnis der Landessprache berücksichtigt, die viele Auswanderer mH kostbaren Monaten der Einordnung bezahlen mußten, so wird man ermessen können, welcher Fortschritt aneh in dieser beschränkten Zielsetzung liegt. Auch der Umfang des Unterrichts konnte in den meisten Fällen nicht so intensiv gestaltet werden, wie ea vielleicht wünschenswert wäre, weil die einzelnen Lehrkräfte regelmäßig einen größeren Bezirk zu betreuen haben. Im Durchschnitt umfaßt der einzelne Kurs 6 Stunden pro Monat. Das ist relativ wenig, andererseits handelt et sich vielfach um kleine Kurse, so daß in der zur Verfügung stehenden Zeit 4