Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 11 (1.11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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VLJIvg«*Nr.ff IMmü«« OiaiMrtliW fr J» tyy VierMänner der jüdifchenMußk Von Oberkantor Hanns John Jacobsohn, Berlin 1. Zwei Toten zum Gedächtnis und Abgänge aal bargeldlosen Zahlung»* konten, getrennt naeb Betriebskosten, Privat* entnahmen, Wareneingängen and Verkäufen, eingetragen werden, ferner ein W aren< eingangibueb, ein Kassenbericht über die Tageslosungen sowie die sonstigen Einnahmen und Ausgaben und schließlich ein Buch, aus welchem Forderungen und Schulden erkennbar sind. Beim Uebergang zu^er neuen vorschriftsmäßigen Buch* Führung ist eine Inventur und ein Ab« Schluß notwendig. Alle Unterlagen der Buchführung müssen geordnet anfbewahrt werden. Jeder Einselhändler muß vom 1. Ja* nuar 1939 ab den Nachweis au erbringen in der Lage »ein, daß seine Buehführang min« destens den vorgeschriebenen Anforde« rangen entspricht. Dr. H. N. Mb Cokwhl— Der HiUsvsrcin der Joden in Deutschland teilt miti Nach soeben einfcgan|enen Informationen hat die columbianische Regieren» nette Einwanderung«* beatimmuagen erlassen. Ein Regicrongsdekret vom 1. 10. 1938 bestimmt, daB das zur Einwanderung erforderliche Landungsdepot verdoppelt wird; d. n. es betrigt ’ nunmehr rar Angehörige der mittel* und westeuropäischen Staaten 500,— Pesos ( — etwa 710 G. M.), Hr Angehörige der osteuropäischen Staaten 3000,— Pesos (~ etwa 3840 G. M.). Außer« dem dürfen die Columbianischen Konsuln keine Pisse visieren, deren Inhaber nicht zur RAckkehr in ihre Heimat berechtigt sind; derartige Visa können vielmehr nur ausnahmsweise auf Anordnung des Columbianischen AuBensainisters erteilt werden. Das neue Gesetz bedeutet zweifellos eine Erschwerung gegenober den bis vor einigen Wochen geltenden Einwandemngsbestimmungen; doch wird sich seine Bedeutung erst genau beurteilen lassen, wenn der vollstindige Tczt des neuen Gesetzes vorliegt, * * * i Die Sehuiabteilung der Reichsvertretung teilt mttr Das Landschulheim Herrlingen (bei Ulm a. D.), das unter Leitung von Hngo Rosenthal ein wertvolles Glied des (Adischen Erziehungswerkes in Deutschland eworden ist, stand bis vor kurzem in Gefahr, wegen es plötzlichen durch die Auswanderung der Eltern bedingten Abgangs einer grOBeren Anzahl von Schülern bereits Ende November schließen zu müssen. Durch das Eingreifen der Reichsvertretung und der süddeutschen Landesverbände ist es gelungen, die Wetterführung des Landschulheims sicherzustellen. Das Landschulheim ist in der Lage, noch eine ge« wisse Anzahl von Schülern aufzunehmen. Anfragen sind an die Leitung des Landschulheims Herrlingen zu richten. Kalender für November Di Nov. 1 Cheschwan 7 Mi o 2 8 Do o 3 n 9 Fr „ 4 10 Sbd „ 5 n 11 Lack l*cha So „ 6 12 Mo „ 7 n 13 Di „ 8 14 Mi „ 9 m iä Do e 10 16 Fr „ 11 17 Sbd „ 12 9* 18 Wajüra So o 13 * 19 * Mo . 14 w 20 Di „ 15 21 Mi „ 16 Iß 22 * Do o 17 m 23 Fr al* 24 Sbd „ 19 t» 25 Cluiji Sara So „ 20 # 26 Mo o 21 27 Di * 22 28 Mi „ 23 29 Do „ 24 Kislew 1 Rösch hachodasch Fr „ 25 2 Sbd „ 26 9t 3 Toldot So „ 27 4 Mo e 28 «• 5 Di „ 29 6 Mi •» 30 «ß 7 Abraham Zwi Idelsoha — Emannel Kirschner Im August d. Ja. starb in Johannesburg (Südafrika)/56 Jahre ah, der jüdische Mnsik, forscher Abraham Zwi Idelsohn. Mit ihm ist eine einmalige Persönlichkeit dahingegangen, die sieb unschätzbare Verdienste um die jüdische Musikwissenschaft verworben hat. Idelsohn» ganzes Leben war der Sammlung und Erforschung des jüdisch-traditionellen Melodiengutes gewidmet. In der ostjüdiseben Tradition eines ebenso religiösen wie musikalischen Elternhauses in Kurland aufge« wachsen, kommt der jnnge Kantoratsbeflissene nach Königsberg an Eduard Birnbaum, der ihm nicht nur in die Kunst und Wissenschaft des Chasanut einweiht, sondern ihm auch die Schätze seiner mehrere tausend Bände umfassenden einzigartigen jüdischen Musikbibliothek erschließt. Hier erwacht das Interesse des Forschers und Sammlers. Idel« sohn erkennt, daß die jüdische Mnsik-Tradition sich nicht in den engen Bezirk von Elternhaus und Heimatgemeinde eingrenzen läßt; es sieht ihn in die Fremde; er will wissen, wie die Juden anderswo singen und beten. Nach Beendigung seiner Musikstudien in Berlin und Leipzig geht er, jung verheiratet mit der Tochter eines Leipziger Chasan, ab Kantor nach Regensburg, wo er sich den jüdischen Melodienschats des süddeutschaschkenasischen Traditionskreises zu eigen macht, verbleibt aber dört nur kurze Zeit. Er folgt einem Rufe nach Johannesburg, doch auch von hier sieht es den Unermüdlichen bald weiter. In die Fremde? In die Heimat! Jerusalem soll ihn der Erfüllung seiner Träume näher bringen. Zunächst vertieft er sich in die orientalischen Melodien- Quellen. Ein Aufsatz „Die Makamen der arabischen Musik* (1913) beweist die Verwandtschaft der Hauptelemente der jüdischtraditionellen Melodik (Steiger) mit arabischen Grandskalen (Makamen). Dann aber wird der Grund gelegt au seinem HsupUam* melwerke, dem sehnbändigen „Hebräischorientalischen Melodienschats**, als dessen erster Band 1914 die „Gesänge der jemenitischen Juden** erscheinen, die auf die Quellen der Gregorianischen Liturgik hinweisen und diesbezügliche Vermutungen früherer Musikwissenschaftler bestätigen. Die Wiener Akademie gewährt ihm für seine Forschungsarbeiten ein Stipendium. Es folgen die „Gesänge der babylonischen Juden** mit einer vergleichenden Studie über die Weisen der Sehriftvorlesungen bei den Juden in aller Weh, einer Vorarbeit für den 1923 in hebräische^ Sprache erschienenen Band der Musikgeschichte ,Tol’dot han’gina haiwrit“. Für die Praxb des Schul- und Hansgesanges erscheint das Liederbuch „Ssefer haschirim**. Dann folgen drei weitere Bände des Melodienschatzes: Bd. 3: Persien — Daghestan c— Buchara, Bd. 4: Orientalische Ssefardim, mit einer Abhandlung über die Elemente der arabischen Musik und einem Anbang „Spaniolische Volkslieder**, Bd. 5: Marokko. 1924 folgt Idelsohn einem / ehrenvollen Rufe de« Hebrew-Union-College in Cineinnati (USA.) anf einen für ihn geschaffenes» Lehrstuhl für Jüdische Musik und Liturgik. Der Ernennung znm Professor folgt einige Jahre später der Ehrendoktor. In Cincinnati kann er nach Herzenslust weiter arbeiten und die nach dem Tode Birnbaums 1920 dorthin gewanderte Birnbaum sehe Bibliothek für seine Arbeit answerten. Zahlreiche Aufsätze ans seiner Feder erscheinen. Erwähnt sei hier unr, der Eigenart wegen, die im hebräischen „Hatoren** 192S veröffentlichte Arbeit „Der Chasan im Juffern« tum**. Vor Abschluß des „Melodienschatzes** erscheint (1929) in englischer Sprache die gemeinverständliche jüdische Musikgeschichte „Jevrish Music in' its historical development**. Dann folgen bis 1932 in schneller Reihenfolge die Bände 6 bis 10 des Melodien sch atze», in denen die süddeutsche und ostjüdische Tradition der Aschkenasim mit unendlicher Liebe und Mühe susammeiw getragen ist. Allein der 9. Band, der sich mit dem ostjüdiseben Volksliede befaßt, enthält über 750 Notenbeispiele verschiede« ner Volkslieder. Mit diesem Sammelwerk hat Idelsohn der jüdischen Musik- und Musikenwelt nicht nur einen unerschöpflichen Quell der Belehrung erschlossen und vielen Schaffenden Anregung gegeben, sondern auch den wissenschaftlichen Beweis erbracht, daß die jüdische Musiktradition aut allen Ländern der Erde auf denselben Ursprung zurückzufübron ist, und die jeweiligen Einflüsse der Umwelt, die wir mit unserem Ohr wahrnehmen, nur äußerer Art sind. Auch als Komponist ist Idelsohn hervorgetreten, insbesondere hat er — der Traditionsforscher —w liturgische Kompositionen in streng traditio« nellem Stil für den reformierten Gottesdienst der amerikanischen Synagogen geschaffen, ferner eine biblische Oper und eine Reihe von Liedern. 1935 lähmte ein Schlaganfall die Schaffenskraft des Rastlosen, kaum Fünfzigjährigen. Die letzten Jahre »eines allzu früh erloschenen Lebens verbrachte der Schwerkranke im Hause seines Bruders in Johannesburg. Ein Mensch ist den Weg alles Irdischen gegangen. Der Name Ahraham Zwi Idelsohn aber lebt in seinem Werke fort, du unermeßlich an Größe und einmalig in seiner Bedeutung, kündend und wegweisend für die Nachweh im Judentum besteht. Am 28. September verschied im 8k Lebensjahre Professor Emanuel Kirschner, erster Kantor der ehemaligen Hauptsynagoge in München. Er hatte vor 50 Jahren bei der Einweihung dieses Gotteshauses mit seine* Stimme und seiner Kunst die Gemeinde erfreut und vor einigen Monaten, noch im Vollbesitz seiner Kraft und Stimme, den letzten Gottesdienst, der in dieser Synagoge stattfand, abgehalten. Kurse Zeit darauf warf ihn eine schwere Krankheit darnieder, von der er sieb scheinbar wieder erholt hatte, da machte ein Schlaganfall seinem reich gesegneten Leben ein Ende. Mit Emanuel Kirschner ist eine der msrkantesten und volkstümlichsten Erscheinungen der Münchener . Israelitischen Gemeinde, einer dar würdigsten Persönlichkeiten des Vorbeterstandes aus dem Leben geschieden. Ein Meister des Faches, ein Großer in der Kunst, ein Würdiger unter den Trägern höchster Würde, ein Zaddik unter den Frommen, der Liebling einer Gemeinde, die sehr wohl Wußte, daß ihr Scheliach- Zibbur ihres vollen Vertrauens wert war. Ein Heer von Schülern des synagogalen wie des weltlichen Gesanges verdankt diesem Meister seine künstlerische Ausbildung. Kirschner* Forschungen über die Herkunft traditioneller Synagogengemeinden des süddeutschen Ritus brachten Licht in das chaotische Dunkel dieser Wissenschaft, und er durfte die Genugtuung erleben, daß Idelsohn (s. o.) anf seine Arbeiten zurückgriff. Seine zahlreichen Kompositionen ■ für den Gottesdienst der Orgelsynagoge, in dem vierbändigen Werke „T’hillot l’ejl eljon** gesammelt, sind der Nachwelt erhalten. Sie atmen alle den Gesät und die Weihe wahrhaft jüdischer Tradition. Kirschner* kompositorische Sprach« ist die der Spätromantik. Gerade an einer Zeit, als die fortschrittlichen Musiker der Synagoge s I